Tag Peanuts

Peanuts – Psycho-Prügel

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Foto: Skarlett Röhner

Gestern Abend war schwierig. Schwieriges Thema. Schwierige Umsetzung. Schwieriges Stück. Auch schwer, darüber zu reden. Die Stimmen zum Stück musste die FZ aus dem schweigsamen Publikum regelrecht rausprügeln. Und wenn wir schon beim Prügeln sind: Geprügelt wurde gestern viel.

Ich fühle mich gewissermaßen auch verprügelt. Was der Jugendclub des Hans-Otto-Theaters da skizziert hat, ist eine beängstigende Zukunftsvision. Und wenn ich sagen würde, dass mich der zweite Akt kalt gelassen hat, dann würde ich lügen. Ein paar Mal musste ich mir doch auf die Nägel beißen und meine Hände kneten und die Augen aufreißen. Nicht, weil ich brutale Foltermethoden gesehen habe. Sondern, weil diese eben nicht da waren.

Erschüttert hat mich die Erniedrigung auf der psychischen Ebene. Das dringende Bedürfnis der Gefängniswärter, ihre Frustration über die eigene mittelmäßige Lebenssituation, durch Machtausüben über die Macht- und Wehrlosen vergessen zu machen. Sie sind nur ein unbedeutendes Glied in einer Kette, dass sich aber traurigerweise darüber definiert, die Massen unter ihnen fertig zu machen. Die Gefangenen sollen singen, Tiere spielen, die Untergebenen des Königs mimen.

Peanuts – Erklärcomic

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Foto: Skarlett Röhner

Da fängt es an, das Festival, und gleich mit einem Stück, bei dem es zugegebner Ma-ßen schwer fällt zu sagen, wie es war. Die-se Frage soll aber an dieser Stelle beant-wortet werden. Ich will es mal versuchen.

Zu erst einmal beruhigende Worte, schlecht war es nicht. Es hatte Qualität, ohne Zweifel. Es war technisch wunderbar umgesetzt. Ich glaube der Gruppe sofort, wenn sie erzählt, dass sie lange und gründ-lich an den Bewegungsmustern ihrer Figu-ren gearbeitet haben. Wer einmal die Peanuts als Comic gesehen hat und mag, schwelgt wahrscheinlich in den ersten fünf Minuten in Glück. Lucy stemmt gekonnt die Hände in die Hüften und schiebt die Unterlippe nach vorn, Sally fuchtelt wie wild und klaut die Aufmerksamkeit der Zuschauer, und Pig Pen schafft es, dass Lydia sich im Publikum ziemlich ekelt. Da ich weitgehend ohne Fernseher aufge-wachsen bin, kann ich nicht tiefer darauf eingehen, aber nach dem Ansehen einiger You Tube Folgen sag ich mal: Hut ab für die Körpersprache. Und auch sonst stim-men die Timings weitgehend, im zweiten Akt wird es etwas wackliger, aber im Ge-samtbild sieht man hier vor allem eines: viel Arbeit dahinter.

Peanuts – Wer den Baseballschläger schwingt

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Foto: Skarlett Röhner

Zuerst wirkt Peanuts wie ein leichtes, amüsantes Jugendstück. Buddy soll auf eine Wohnung aufpassen, eine Wohnung mit Designer-Couch, 58-Zoll-Fernseher und moderner Skulptur im Wohnzimmer. Eine richtige Luxuswohnung eben, deren Erhabenheit auch durch die hohe Ebene, auf der sie sich befindet, spürbar wird. Ihre Besucher steigen von unten zu ihr herauf. Es sind Buddys Freunde oder vermeintliche Freunde oder Freunde von Freunden oder Freunde von vermeintlichen Freunden – wie auch immer, jedenfalls erobern sie die Wohnung, ohne dass Buddy ihnen Einhalt gebieten kann. Es wird mit Chips und buntem Puffreis gekrümelt, Cola und Fanta spritzen, der Fernseher läuft, Buddy verzweifelt. Er kann nicht nein sagen, die anderen kennen keine Rücksicht: „Egal, was ich will, ich will es ganz und sofort!“

Peanuts – Stimmen zum Stück

+++ ein Stück, zu dem man aufschauen muss +++ sehr eindrücklich +++ Es war für mich zu schwere Kost +++ Man muss darüber nachdenken, inwieweit Freundschaft ein System besiegen kann +++ Der erste Teil war ausgezeichnet, da konnte ich wirklich gut folgen, aber danach wurde es zu hoch für mich +++ hui hui hui +++ Es war gemein: Man ist erst so verführt worden, dass man das Niedliche vom Rahmen mitnimmt, und dann hat man doch ganz schön in die Fresse gekriegt +++ war geil! +++ die Comic-Adaption war toll +++ Am Ende war es etwas lahm +++ Die Überzeichnung der Comic-Figuren hat mir sehr gut gefallen +++ etwas verwirrend +++ Der Bruch zum zweiten Teil war beeindruckend +++ Ich möchte den Stück-Autor zitieren, wenn er sagt, es gebe eine Menge Charlie Browns bzw. Buddys da draußen +++

Peanuts – Der Jugendclub des Hans Otto Theaters Potsdam

Sie sind der Jugendclub des Hans Otto Theaters aus Potsdam. Sie sind Jan, Ulrike, Henrike, Sophie, Peter, Alissa, Janine, Nadine, Freda, Friederike, Bob, Manuela, Enno und Anne. Sie sind zusammen vierzehn Leute, elf Spieler, zwei Spielleiter. Sie sind zusammen soundsoviele Jahre alt (ich kann nicht rechnen). Sie mögen sich gegenseitig, sie sind sehr unterschiedlich aber trotzdem homogen. Sie sind lustig und ernst. Sie sind auch politisch, zumindest haben sie ein sehr politisches Stück für heute Abend mitgebracht. Es ist von Fausto Paravidino, eine Auftragsarbeit. Es ist eine Reaktion auf die Geschehnisse auf dem G8 Gipfel in Genua. „Horrible“, sagt die Gruppe dazu. Es sind Leute festgenommen worden, sie sind eingesperrt, gefoltert und unter schlimmstmöglichen Umständen verhört worden. Darüber sollte nachgedacht werden: Ach, und das Stück heißt Peanuts.

Live auf YouTube – die Dritte

Ein kurzer Blick in das Stück Peanuts vom Theaterjugendclub des Hans Otto Theaters aus Potsdam.