Tag Lieblingsmenschen

Lieblingsmenschen – Keine Lieder über die Liebe

Foto: Kamila Maria Smechowski

Foto: Maria Smechowski

Lieblingsmenschen. Lieblingsfreunde. Lieblingsleben.

Man schreibt seinen Namen auf einen OBI-Karton und klebt Fotos drauf. Ich und meine beste Freundin. Ich mit drei Jahren. Ich mit Bart. Identität in einem Umzugskarton.

Von Anfang an macht das Bad Hersfelder Ensemble deutlich, dass die Spieler dort etwas von sich erzählen. Vom Jungsein. Von der Zeit, in der man seine Persönlichkeit noch in einen Karton packen und mitnehmen kann.
Nichts ist fix, nichts scheint bedeutend, alles reiht sich aneinander, wie die lakonischen Worte der Sängerin im Einstiegssong: „I love you. Let’s talk about movies. Let’s go to sleep.“

Die Spieler nehmen ihre eigenen Figuren nicht zu ernst. Es wird versucht, es wird verworfen, und letztendlich wird nichts zu schwer genommen – wie Jungsein eben funktioniert.

Lieblingsmenschen – Und manchmal braucht man eben noch Schwimmflügel

Foto: Kamila Maria Smechowski

Foto: Kamila Maria Smechowski

Oh ja, das Stück gestern Abend gehört definitiv zu meinem Lieblingen auf diesem Festival. Es waren Lieblingsmenschen da: zweimal Anna, Sven, Jule, zwei Mal Lili, Phillip und Darius. Die Lieblingsmenschen zeigten viel von sich. Hautporen, Zahnzwischenräume und halb nackte Körper. Die Lieblingsmenschen vögeln miteinander, studieren Wissen oder Können, erzählen sich schlechte Witze, weinen voreinander, streiten sich und studieren. Und SMS schreiben sie auch noch. Immer zwischendurch ändert sich das Licht und die Musik, sie bleiben vor den Umzugskartons stehen, in denen ihr Leben verpackt ist und teilen sich in 160 Zeichen mit, dass die Welt doch nicht so schön ist, wie sie aussieht und man trotz dem ganzen „Leben“ manchmal nicht so richtig weiß, wohin mit sich. Die Studenten in Laura de Wecks Stück sind alle nicht so ganz heile, aber im Ablenken dafür ganz groß. Was soll man noch sagen, es ist ein kurzes Stück und es maßt sich auch gar nicht an, ganz großes Theater zu sein. Es ist ein Blick durchs Schlüsselloch und dabei ist es sehr warm und sehr persönlich. Es hat wunderbare Bilder, die mit der Kamera auf der Bühne eingefangen werden. Aber es verläuft sich nicht in diesen Atmosphären, sondern bricht sehr abrupt damit und wird so unserer schnelllebigen Zeit und den Figuren gerecht. Man mag sagen. es ist wenig Ich-fixiert, es stehen Figuren auf der Bühne, die sich gerne selbst dort sehen und inszenieren. Und auch der Blickwinkel geht natürlich von ihnen aus und manch ein jüngerer versteht wahrscheinlich diese doch sehr eigene Welt in Wortwahl und Humor nicht. Aber auch das passt zu den Figuren und macht sie lebendig. Denn die Lieblingsmenschen stehen vor uns da oben auf der Bühne und wir werden sehn, wo es mit ihnen so hingeht.

Lieblingsmenschen – Beobachtungen: Von wegen Spaß und Ernst

Ich gebe zu: ich hab mich schon vorher auf „Lieblingsmenschen“ gefreut, wegen diesem einen Moment, vor zwei Jahren, als man Faust spielte, mit Tocotronic (Ich möchte irgendwas für dich sein, oder, das wars doch? und Euro-paletten.

Jetzt freue ich mich, „Lieblingsmenschen“ gesehen zu haben.

Labile Konstrukte selbstaufgebauten, selbstverwalteten verspaßgesellschafteten Lebens: man studiert und feiert und vögelt und säuft. Philipp, unser eigentlicher Held, hat keinen Bock auf Stimmenrauschen, 160 Zeuchen, und Blabla – mehr als Freundin und Uni sind einfach nicht zu verantworten. Als dann die Freundin Schluss macht: Suizid. Blut all over, dass es tropft. Also in kurz jetzt.

Und man findet sich wieder im oberflächlichen Bla (meine, deine, unsere SMS) und auch in dem Wunsch, das Handy auszumachen und einfach nicht nachher mit in die Rote Fabrik (Sommer am Zürichsee, yeah, yeah, yeah, am See Richtung Wollishofen laufen, dann was trinken und Füße in den See, trotzdem).

Lieblingsmenschen – Stimmen zum Stück

+++ spielerisch: wahnsinn +++ sehr, sehr schön +++ total viele coole Ideen +++ ganz viele kleinigkeiten +++ total getockt +++ super übergänge +++ endlich mal video, und dann noch so bedacht und unprätentiös eingesetzt +++ der sehr gut gespielt +++ die taschenlampen waren hammer +++ lustig, kreativ +++ würde gern meckern, aber mir fällt nichts ein +++ hat spaß gemacht zuzuhören +++ super josy +++ temporeich +++ großartig +++ ich fühle mich zum ersten mal leicht, wenn ich hier raus komme +++ der indianer ist das beste beispiel: saulustig, bildsprachlich konsequent, aber im kern irritierend und schräg +++ da waren ganz große momente drin, blicke, sekunden, in denen wirklich die sehnsucht und verlorenheit dieser menschen sichtbar war +++ großer respekt vor der leistung des halbstündigen kistensitzens +++ saugeil +++ die idee mit der kamera war genial, das hat den selbstmord ziemlich privat gemacht +++ studentengeschichten schön dargestellt +++ runde nette geschichte +++ nicht so erwartet +++ sehr schön +++ total superschön, weil es sehr heitere momente hatte +++ am ende wurde es rund +++ ich möchte anmerken, dass schöne musik in dem stück war +++ die musik in dem stück könnte von meinem ipod sein +++ witzig +++

Live auf Youtube – die Zweite

Ein kurzer Blick in das Stück Lieblingsmenschen von der Theatergruppe jugend@festspiele aus Bad Hersfeld.