
Foto: Dave Großmann
Schlomo Herzl lebt mit dem Koch Lobkowitz in einem Männerwohnheim unter einer Metzgerei. Ein Gerüst. Pritschen. Eine weiße Kiste. Wer ins Wohnheim will, muss von oben dorthin hinabsteigen.
Der hyperaktive Lobkowitz spielt sich als Schlomos Herrscher auf und will mit „Herr“ angeredet werden. Aber Schlomo hat dieses Spiel satt: „Mein Kreuz tut mir weh.“ Er will nicht mehr der Diener sein.
Umso bereitwilliger wendet er seine Aufmerksamkeit dem frisch eingezogenen Schüttler zu. Der Koch Lobkowitz zieht sich auf einen Glitzerthron zurück und beginnt, sich einen Himmel zu basteln. Er bastelt Sterne. Pfeile, die ihn als GOTT ausweisen. Zerschneidet die Festivalzeitung. So wird der Kontext der Zuschauer in ein Bild eingearbeitet, dass offen legt, dass Gott nichts Fassbares ist, sondern ein Konzept, eine Konstruktion – er wird gebastelt.
Aus Schüttler wird Hitler. Die Spieler illustrieren die Namensänderung mit Fingerfarbe, viel Körperlichkeit und vor allem – Humor. Immer wieder wird der Text von aktuellen Bezügen durchdrungen, die Assoziationen zulassen, die weit über die erste inhaltliche Ebene hinausgehen. So lässt der Ausspruch: „Emancipation – everybody is putzing!“ den Zuschauer nicht nur lachen, sondern auch nachdenken – über die Streitbarkeit mancher Emanzipationsaussagen und –bestrebungen, aber auch über die Überflutung der deutschen Sprache von Anglizismen.
