
Foto: Skarlett Röhner
Gestern Abend war schwierig. Schwieriges Thema. Schwierige Umsetzung. Schwieriges Stück. Auch schwer, darüber zu reden. Die Stimmen zum Stück musste die FZ aus dem schweigsamen Publikum regelrecht rausprügeln. Und wenn wir schon beim Prügeln sind: Geprügelt wurde gestern viel.
Ich fühle mich gewissermaßen auch verprügelt. Was der Jugendclub des Hans-Otto-Theaters da skizziert hat, ist eine beängstigende Zukunftsvision. Und wenn ich sagen würde, dass mich der zweite Akt kalt gelassen hat, dann würde ich lügen. Ein paar Mal musste ich mir doch auf die Nägel beißen und meine Hände kneten und die Augen aufreißen. Nicht, weil ich brutale Foltermethoden gesehen habe. Sondern, weil diese eben nicht da waren.
Erschüttert hat mich die Erniedrigung auf der psychischen Ebene. Das dringende Bedürfnis der Gefängniswärter, ihre Frustration über die eigene mittelmäßige Lebenssituation, durch Machtausüben über die Macht- und Wehrlosen vergessen zu machen. Sie sind nur ein unbedeutendes Glied in einer Kette, dass sich aber traurigerweise darüber definiert, die Massen unter ihnen fertig zu machen. Die Gefangenen sollen singen, Tiere spielen, die Untergebenen des Königs mimen.