Tag Hans Otto Theater

Peanuts – Psycho-Prügel

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Foto: Skarlett Röhner

Gestern Abend war schwierig. Schwieriges Thema. Schwierige Umsetzung. Schwieriges Stück. Auch schwer, darüber zu reden. Die Stimmen zum Stück musste die FZ aus dem schweigsamen Publikum regelrecht rausprügeln. Und wenn wir schon beim Prügeln sind: Geprügelt wurde gestern viel.

Ich fühle mich gewissermaßen auch verprügelt. Was der Jugendclub des Hans-Otto-Theaters da skizziert hat, ist eine beängstigende Zukunftsvision. Und wenn ich sagen würde, dass mich der zweite Akt kalt gelassen hat, dann würde ich lügen. Ein paar Mal musste ich mir doch auf die Nägel beißen und meine Hände kneten und die Augen aufreißen. Nicht, weil ich brutale Foltermethoden gesehen habe. Sondern, weil diese eben nicht da waren.

Erschüttert hat mich die Erniedrigung auf der psychischen Ebene. Das dringende Bedürfnis der Gefängniswärter, ihre Frustration über die eigene mittelmäßige Lebenssituation, durch Machtausüben über die Macht- und Wehrlosen vergessen zu machen. Sie sind nur ein unbedeutendes Glied in einer Kette, dass sich aber traurigerweise darüber definiert, die Massen unter ihnen fertig zu machen. Die Gefangenen sollen singen, Tiere spielen, die Untergebenen des Königs mimen.

Peanuts – Der Jugendclub des Hans Otto Theaters Potsdam

Sie sind der Jugendclub des Hans Otto Theaters aus Potsdam. Sie sind Jan, Ulrike, Henrike, Sophie, Peter, Alissa, Janine, Nadine, Freda, Friederike, Bob, Manuela, Enno und Anne. Sie sind zusammen vierzehn Leute, elf Spieler, zwei Spielleiter. Sie sind zusammen soundsoviele Jahre alt (ich kann nicht rechnen). Sie mögen sich gegenseitig, sie sind sehr unterschiedlich aber trotzdem homogen. Sie sind lustig und ernst. Sie sind auch politisch, zumindest haben sie ein sehr politisches Stück für heute Abend mitgebracht. Es ist von Fausto Paravidino, eine Auftragsarbeit. Es ist eine Reaktion auf die Geschehnisse auf dem G8 Gipfel in Genua. „Horrible“, sagt die Gruppe dazu. Es sind Leute festgenommen worden, sie sind eingesperrt, gefoltert und unter schlimmstmöglichen Umständen verhört worden. Darüber sollte nachgedacht werden: Ach, und das Stück heißt Peanuts.