Schwere Geschütze haben die Spieler des jungen schauspielhannover mit ihrem Stück Familiengeschichten gestern aufgefahren. Ein Junge, der zehn Jahre lang so tut, als würde sein Vater noch leben; ein Mädchen, das auf einmal zwei Väter hat; ein anderes, das nur einen hat, aber von dem ein Kind erwartet; eine Trennung schon vor der Hochzeit. Es fallen Sätze wie: „Dumm bist du, und hässlich bist du auch“ und: „Er ist tot. Juchhu!“.
Es fällt einem manchmal schwer, den Spielern diese Geschichten zu glauben. Die Texte wirken nicht authentisch genug und sie werden auch nicht überzeugend genug gesprochen, zum Beispiel, wenn der deutsche Junge erfährt, dass seine Freundin schwanger ist, und er sagt: „Damit habe ich nicht gerechnet.“ Oder wenn der erste persische Papa erklärt, warum er zehn Jahre lang nicht nach Hause gekommen ist: Das Wetter war Schuld. Ausgerutscht. Gedächtnisverlust. Auf einmal ist ihm wieder alles eingefallen. Auch die Gefühle sind wieder da, für Frau und Kind und Kuschelhasen.
Aber man soll diesem Ensemble auch gar nicht alles glauben, das wird schnell klar. Es ist immer wieder ein Spiel im Spiel, die Darsteller verlassen ihre Rollen und erzählen uns ihre eigenen Geschichten am Mikrofon, beziehen Stellung zu der gerade gezeigten Szene. Dann treten sie wieder zurück und spielen weiter. Damit zeigen sie, dass sie nur spielen.

