Tag Anne Frank und ich

Anne Frank und ich – Pickelalarm

Foto: Skarlett Röhner

Foto: Skarlett Röhner

Pubertäre Mädchen, die braucht eigentlich echt keiner. Ihre Welt dreht sich einzig um sich selbst. Nichts scheint zu passen, der Körper, die Freunde, die Annerkennung der Anderen, die Familie und das Ich. Was bin ich wer, will ich sein? Alles liegt im Argen, selbst die eigenen Gedanken. Da muss entworren, ausgesprochen werden, um Dinge fassbar zu machen. Es wird Tagebuch geschrieben über all diese Nebensächlichkeiten die die Welt bedeuteten und damit ordnet sich alles vielleicht ein Stück weit. Im Nachhinein beim Lesen, Jahre später schämt man sich für diesen Unsinn, aber natürlich hat auch er seinen Sinn, er gehört schließlich zum eigenen Ich.

Wir sind gestern Abend eingetaucht in die kleine Welt des Erwachsenwerdens, sie ist wohl am besten mit dem Wort Pubertät beschrieben. Es war eine Gratwanderung. Es gab manchmal schöne, sensible und zarte Bilder. Klar und deutlich standen sie im Raum. Aber oft schwankte das Stück auch in die andere Richtung, pathetisch und viel zu emotional schien es mir an vielen Stellen. Ich hätte es mir konsequenter gewünscht, z.B. bei den Requisiten, weniger Text, besser choreographierte Bewegungen und klarere Entscheidungen, was erzählt werden will, wie die Musik verwendet werden soll. Es war eher Theater aus einzelnen Elementen, die sich zu einem Bild ergänzen konnten.

Für manch einen, der vielleicht die Dinge in seiner Jugend nicht so erlebt hat oder als Junge einen anderen Zugang dazu hat, blieb dieses Bild wohl verschlossen. Für die, die sich in den Texten wieder gefunden haben, war es vielleicht eine gute Beschreibung der Grundstimmung junger Mädchen. Aber man muss natürlich auch ganz klar sagen: Das wurde Anne Frank und ihrer Geschichte nicht gerecht. In keinem Fall. Von den Ansätzen her würde ich sagen: Sie hätten Anne nicht gebraucht. Sie hat da auch eigentlich nicht hingehört. Aber irgendwo dann doch wieder. Es ist eine Sache der Betrachtungsweise: mit ein wenig Abstand vom Stück kann ich eines sagen. Es passt zum Thema Pubertät, weil es doch ganz typisch ist, all das auszublenden, was für das eigene Ich nicht von Bedeutung ist.

Anne Frank und ich – Keine Rezension

Nach dem Stück sitzt einer auf der Bierbank und fragt mich, wie ich es fand. Ich gucke unentschlossen. Er sagt: „Muss dir doch gefallen! Das war doch ein richtiges Mädchenstück!“ Ich ärger mich. Das war es ja gerade nicht!

Da waren drei junge Mädchen auf der Bühne, und ich hätte so gerne noch mehr von diesen drei jungen Mädchen gesehen.

Fangen wir doch mal bei der Musik an. Dieses unerträglich immer gleiche Geklimper, wenn eine Spielerin an eins der Mikros gegangen ist, um einen Text aus Anne Franks Tagebuch zu sprechen, oder diese harte Tanztheater-Musik in den Bewegungsszenen: War das ihre eigene Musik? War das die Musik von 16-jährigen Mädchen? Hat diese Musik ihr Jungsein ausgedrückt?

Anne Frank und ich – Kurz kommentiert

Kommentiert_1: Ein Hoch auf den Mut sich den Herausforderungen eines Dreipersonenstückes zu stellen. Reschpeggt.
Kommentiert_2: Die persönlichen Kommentare und die Auszüge aus Anne Franks Tagebuch, die in die Mikrofone gesprochen wurden: gefühlsduselig und rührselig, für meinen Geschmack. Mit einer anderen Ebene, einem Bruch, einer Verfremdung hätte ich mich knacken lassen.
Kommentiert_3: Streckenweise habe ich das Spiel als etwas kraftlos empfunden.
Kommentiert_4: Ich vergleiche meine pubertären Probleme mit denen von Anne Frank , stelle fest, dass es diesbezüglich Parallelen gibt, meine Probleme im Vergleich zu ihren letztlich aber Kikifax sind. Schließlich will man mein Volk nicht brutal ausrotten. Aber warum ausgerechnet der Vergleich mit Anne Frank? Wenn die Gruppe speziell auf ihr Schicksal eingehen, es zeigen wollte, dann ist mir Anne Frank zu kurz gekommen. Gerade ihr Schicksal fernab der Probleme, die 15-jährige Mädchen haben: Sie ist Jüdin. Ihr Familie wird verfolgt. Ermordet. Sonst ist der Vergleich irgendwie beliebig.
Kommentiert_5: Konsequent schlichtes Bühnenbild.
Kommentiert_6: Mehr Coolness und Sicherheit hätte dem Spiel mehr Fluss und den Bilden mehr Kraft gegeben.

Anne Frank und ich – Ein Mehr an Wasauchimmer

Wenn ich das jetzt schreibe, fühle ich mich unglaublich alt.
Ich gebe zu, ja, da war mal dieser Typ und er wusste meinen Namen nicht und manchmal hat er mich angelächelt. Ich war 14, hatte blonde Strähnchen und trug gerne das hellblaue Spagettiträgertop. Das ist nichts, woran ich gerne erinnert werde und nichts, wovon ich gerne erzähle. Und ich bin froh, dass sich nichts (keine Befindlichkeitsscheiße: keine Tagebucheinträge, keine Liebeserklärungen) aus der Zeit erhalten hat.

Und eben weil wir alle mal aus Liebeskummer nicht den Geschirrspüler ausräumen konnten und uns gitarrenschrammelnd in unser Zimmer eingeschlossen haben, gab es gestern diese Momente, wo ich mich an etwas erinnert fühlte, woran ich mich nicht erinnern wollte. Umsobesser, Konfrontation mit verdrängten aber tief empfundenen Verwundungen. Eigentlich. Das Problem ist jetzt nur, dass tiefetiefe, naive, allgemeine und intensive Empfindung so unendlich leicht pathetisch und lächerlich wird. Irgendwo zwischen Empfindung und Befindlichkeit mäanderte gestern Abend auch das Stück. Man wollte uns was erzählen, von Müttern, Schwestern, Jungs, Familien und – Jungsein halt. Teenagertrauer.

Anne Frank und ich – Kein Nazi-Stück

Foto: Khesrau Behroz

Foto: Khesrau Behroz

„Emily sind wir.“ Emily ist fünfzehn. Die Ensemble-Mitglieder der „Projektgruppe Theater“ aus Münster sind es schon nicht mehr, aber das spielt keine Rolle. Sie alle spielen Emily, denn um sie dreht sich das ganze Stück. Eines Tages bekommt sie das Tagebuch der Anne Frank in ihre Hände und während sie es liest, entdeckt sie Parallelen zu ihrem eigenen Leben…

Live auf youtube – die sechste

Ein kurzer Blick in das Stück Anne Frank und ich von der Projektgruppe Theater an der Marienschule aus Münster.