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	<title>Theatertreffen der Jugend &#187; Abschied</title>
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		<title>BlickRück &#8211; Das TTJ ist vorbei</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 19:33:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Khesrau Behroz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied]]></category>
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<p>Der Raum ist frei. Die Menschen sammeln sich in der Mitte; am äußeren Rand sitzen nur einige wenige. Draußen, vor der Tür und im Foyer, da unterhalten sie sich, gehen immer wieder zum Ausschank. Das Bier ist frei.</p>
<p>Die Unterhaltungen an diesem Abend wirken wie eine Katharsis. Unter dem Einfluss von Gerstensaft fällt das Reden leichter; „diesen Teil, den hab ich nicht verstanden“, „ich fand Deine Kritik nicht fair“, „ich bin, ganz ehrlich, ein bisschen neidisch auf Euer Stück“. Aus zwei Gesprächspartnern werden drei, vier, fünf; beim Vorbeigehen hört man ein Schlagwort, da hört man einen Einstieg. Doch am Ende, wenn alles raus ist, die Wörter, die kommen wollten, auch gekommen sind, treibt es sie alle in den Raum hinein, auf die Tanzfläche, die so groß ist, dass man von der einen zur anderen Seite fegen kann; im Hüpfschritt an den Mittanzenden vorbeirauschen, Körper, die sich fast treffen, aneinander stoßen. Der Kopf ist frei.</p>
<p><span id="more-620"></span></p>
<p>Als die Bühne das letzte Mal betreten wird, fühlt es sich merkwürdig an nach dem Theatermarathon. Jeden Abend ein Stück, jeden Tag die Diskussionen zum vorherigen Stück, jedes Mal enttäuschte, aber auch glückliche Gesichter. Auf dem Festival-Gelände treffen sich die Köpfe, einige laufen bewusst aneinander vorbei, andere halten die Köpfe nach vorne, grüßen alle, die sie sehen und irgendwann mal getroffen haben. Im Zelt, da stehen sie an, um etwas von der Fassbrause zu bekommen; es schäumt, es dauert. Und wenn sie dann das Zelt verlassen, hinein in den kleinen Garten, halten sie kurz inne, schauen sich um, suchen den Tisch mit Leuten, die sie kennen; ein kurzes Winken, ein rasches Lächeln; beim Vorbeigehen wird noch schnell gepriesen, „ihr wart super gestern Abend“, weitergehen. Im Kopf, da ist eigentlich noch viel mehr. Informations-Overkill. Beinahe fühlt man sich schlecht für seine kurzen Sätze, will viel mehr sagen. Vorsichtige Annäherungen mehren sich, das nächste Mal, so beschließt man, setzt man sich an einen anderen Tisch. So funktionieren Festivals, so funktioniert Theater. Die Gedanken sind frei.</p>
<p>Irgendwann kommt die Zeitung. Beim Abendessen. Irgendwie sucht man darin auch seine eigene Stimme, will auch die eigene Kritik finden; vielleicht wundert man sich auch, dass man nichts kritisieren konnte und schlägt dann die Kritiken auf, um sich vom Gegenteil zu überzeugen, manchmal braucht man nur einen Anstoß, einen kleinen Schubs für eine potentielle Konversation. Erstaunlich ist das, wenn niemand mitbekommt, wie differenziert sie doch eigentlich in Diskussionen gehen, unterbewusst, weil es so viele Foren gibt: Das Festival-Gelände, das Zelt, der Garten, die Nachgespräche und, ja, die Bühne. Überall gestalten sich die Fragen und Antworten anders, die Atmosphären ändern sich; viele sind beim Mittagessen mutiger mit ihrer Meinung, andere warten bis zum Nachgespräch. Es gibt auch welche, die schweigen und einfach alles auf sich wirken lassen. Auch das ist erlaubt, auch das ist okay. Das steht jedem frei.</p>
<p>Als das Zelt zum ersten Mal mit Musik bespielt wird, bewegen sich die Körper noch sehr zaghaft. Es gibt Kreistänze, ja, Eisbrecher; sie sollen die Leute motivieren, die Tanzfläche zu stürmen. Viele lassen sich überzeugen, viele gehen früh, einige schauen verständnislos den Tanzenden zu, einige in freudiger Erwartung darauf, dass das Bier oder der Wein ihre Grenzen bricht und sie dann auch tanzen lässt. Die Zugehörigkeit muss gefunden, die eigenen Erwartungen an das Festival ergründet werden. Es gibt solche, die wollen so viele Menschen wie nur möglich kennen lernen, es gibt aber auch andere, die nur Theater sehen wollen und einige wenige, die vielleicht gar nicht wissen, was sie hier zu suchen haben.</p>
<p>Als die Bühne das erste Mal bespielt wird, am ersten Tag, da hat man sich schon begrüßt. Viele sind zum wiederholten Male hier, lieb gewonnene Menschen werden umarmt, beim Betreten der Wabe sieht man in der Ferne noch Freunde, ein kurzes Winken, ein rasches Lächeln, weitergehen. Sie setzen sich, die Vorfreude steigert sich, „diese Bühne, die wird mal meine sein“. Im Kopf kommen Bilder hoch, „diese Menschen, die werden mich dann beklatschen“, das Bühnenbild tritt vor die Augen, vielleicht ist das auch der Moment, an dem ein paar der Teilnehmer panisch werden; aus Ehrfurcht vor der Bühne, aus Angst vor der Diskussion, der sie sich dann aussetzen müssen, vielleicht auch einfach nur aufgrund von Lampenfieber.</p>
<p>Als am letzten Tag also aus dem Theaterraum eine Tanzfläche wird und – endlich – nach so vielen Tagen alles herausströmt, ist das ein befreiendes Gefühl, eben die Katharsis. Doch wenn alles raus ist, die Emotionen, die kommen wollten, auch gekommen sind – und das wissen sie alle – treibt es sie ja sowieso wieder zurück.</p>
<p>Die Bühne ist frei.</p>
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		<title>Essay zum Schluss &#8211; Der Tod der Identität</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 19:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Stripling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied]]></category>
		<category><![CDATA[Chor]]></category>
		<category><![CDATA[Individuum]]></category>
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		<category><![CDATA[Kollektiv]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>
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		<description><![CDATA[In «Immer spielt ihr und scherzt» ist mir die Figur des Todes aufgefallen – ein Auftritt, den ich sehr kritisch betrachten musste. Frage ich mich nicht nach der inhaltlichen Begründung für den Bruch, der durch einen klar definierten Auftritt des Todes – zwischen schwarzer Witwe und dirndelndem Mädchen – zu Stande kam, so hinterfrage ich&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_684" class="wp-caption alignnone" style="width: 490px"><img src="http://blog.theatertreffen-der-jugend.de/wp-content/uploads/2009/06/NachgesprÑch04_Maria-Hennig.jpg" alt="Foto: Maria Hennig" title="Nachgespräch" width="480" height="321" class="size-full wp-image-684" /><p class="wp-caption-text">Foto: Maria Hennig</p></div>
<p>In «Immer spielt ihr und scherzt» ist mir die Figur des Todes aufgefallen – ein Auftritt, den ich sehr kritisch betrachten musste. Frage ich mich nicht nach der inhaltlichen Begründung für den Bruch, der durch einen klar definierten Auftritt des Todes – zwischen schwarzer Witwe und dirndelndem Mädchen – zu Stande kam, so hinterfrage ich seine energetischen Strukturen, jenseits seiner formalen Rechtfertigung. Sicherlich ließe sich sagen, der Tod sei etwas Jenseitiges, etwas, das das (Spiel-) Konzept des Vorigen bricht. Jedoch warum habe ich den Eindruck, dass sich die zuvor entwickelte Spannung und Energie der Spieler zur Impotenz, fast Passivität reduziert? Auch hier ließe sich argumentieren, dass das nun mal die Aufgabe des Todes ist: das Töten. Jedoch: Mich machen Spielanlagen dort skeptisch, wo sie dem Einzelnen Energien blockieren, ob merklich oder nicht.</p>
<p><span id="more-635"></span></p>
<p>Das Ensemble hat sich für eine Aufteilung der Rollen des Schlomo und des Hitler entschieden. Warum müssen sich alle dem Spielprinzip unterwerfen – selbst wenn im Einverständnis entschieden? Ich kann nur sehen, was gezeigt wurde, nicht, was nicht gezeigt wurde. Hier noch mal gesagt: Mir geht es nicht um eine inhaltliche Begründung, nicht mal um eine formale. Es geht mir um eine, die sich in den Energien des Individuums begründen. Hätte die Gruppe die Kraft gehabt, die Spielvorlage als Fünfpersonenstück zu inszenieren?</p>
<p>Warum ich das frage: Ich erinnere mich an das Aufführungsgespräch zu «Bürgen schafft», jemand stellte die Frage, wo denn die Hoffnung sei.<br />
Ich habe jetzt alle eingeladenen Inszenierungen gesehen und mir fällt auf, dass es ein wesentliches Spielprinzip zu seien scheint, die Identität des Einzelnen zu Gunsten eines vereinbarten Spielprinzips aufzuheben. Sicherlich brachte Straubing Identitäten auf die Bühne – aber auch dort nur im Kontext der Vereinbarung, des gemeinsamen Mutigseins durch Schutz von Rhythmik und Tempo, zumal die Hauptfigur völlig verängstigt und verstört ist, der Herrscher ihm gegenüber Machtbesessen: Wie in «Peanuts», wie in «Amoklauf mein Kinderspiel», wie in&#8230; – es ließe sich fortsetzen.<br />
In den «Peanuts» haben wir Typen gesehen – doch würden sich diese auch trauen, ihre Identität zu bewahren, wenn sie als Einzelpersonen dem Publikum begegnen müssten?<br />
Auch «Anne Frank und ich» schafft es nur, die Emily als Schizophrenie des Angsthabens vor dem Zu-sich-selber-stehen zu zeigen.</p>
<p>Wir verspeisen den Vater in «Familiengeschichten» und laufen im «Kinderspiel» Amok gegen die Überväter. In «Bürgen schafft» erhängen wir Beppo und in «Peanuts» muss auch gleich noch der Zellengenosse dran glauben, weil er zu viel weiß. In «Topinambur» gehen nur noch Maschinen ans Telefon und Anne Frank kommt ins Konzentrationslager – der Tod spielt heuer eine Rolle, viele sterben dieses Jahr beim Theatertreffen der Jugend. Wofür steht das?</p>
<p>Natürlich ist es handwerklich eine wunderbare Leistung, wenn chorische Szenen sauber erarbeitet werden. Ich habe Verständnis dafür, wenn es oft mehr Spielwütige gibt als Rollen zur Verfügung stehen, wenn allein aus organisatorischen Gründen Prinzipien des Kollektivspielens (neu) erfunden werden (müssen). Doch ich vermisse den Mut des Zentrums, die Kraft Einzelner – die nichts mit Egozentrik zu tun hat, sondern als Basis der Identitätsentwicklung dient und dem Stück als Kollektivprodukt nicht schadet, solange die Identität dazu in der Lage ist, mit ihrer ursprünglichen Anschauung zu kommunizieren. Mag sein, dass das in den Probenprozessen praktiziert wurde – aber warum stehen dann auf der Bühne keine «Typen», sondern stereotype Ensembles (jedes für sich – nur bedingt alle als Gemeinsames)? Vielleicht ist es meine persönliche Masche, aber mich interessieren keine Gleichstellungen zu Gunsten einer Idee. Sie machen mich sehr skeptisch.<br />
In «Immer spielt ihr und scherzt» ließe sich in diesem Punkt wieder inhaltlich diskutieren. Aber wie kann es sein, dass wir Verständnis von Zuständen in Zuständen ausdrücken und nicht Zustände als Muss zum Brechen dieser verstehen?<br />
Auch «Lieblingsmenschen» spielt mit den einzelnen Lebens- und Beziehungskisten, guckt rein und spielt mit dem Inhalt – am Ende aber sind die Kisten wieder fein säuberlich verschlossen. Klappe zu, Affe tot. Veränderungen ausgeschlossen.</p>
<p>Wenn der Tod als einziger eine klare Identität hat, so macht mir das Sorgen – ich bekomme Angst vor einer Gesellschaft, die sich die Hoffnung zur Identität nicht mehr vergegenwärtigen möchte, sondern im Erfüllen der Idee oder des Prinzips ihre Identität meint, finden zu können. Doch Identität kann nicht im Gruppenkonsens auf Vereinbarung einer Idee entstehen, außer als Gruppenidentität, die sich als Kollektives auf den Einzelnen auswirkt. Wo bleibt jedoch die Identität, die sich auf den Einzelnen bezieht, ihn zur Grundlage, zum Ursprung der Rolle und seiner Handlugen macht?</p>
<p>Erzählen die Stücke auf dem diesjährigen Theatertreffen der Jugend auch vom Sterben der Identität, vom Sieg des Erfolgs, statt vom Mut des Scheiterns? Leben wir im Zeitalter der Wiedergeburt des Chorischen?<br />
Wir essen den gleichen Müller-Joghurt und wir tauschen unsere Namensschilder, weil uns das eigene nicht mehr so wichtig zu seien scheint – wir verlernen die Abgrenzung zu Gunsten der Vereinbarung. Auf dem Weg zur S-Bahn werden wir von Verrückten niedergeschlagen.</p>
<p>Die jahrzehntelange Anführerin wird vergöttert – sie selbst nennt es halb kritisch, halb geschmeichelt „Personenkult“. Ist sie das Symbolbild für (scheidende) Identität? Auch hier, in ihrem Gehen, findet ein Sterben statt.</p>
<p>Ja, gemeinsam sind wir stark, aber ist der Einzelne auch an der Grenze seines Energiepotenzials? Ist nicht das Kollektiv Unterdrücker des Einzelnen? Zu Gunsten von was?</p>
<p>Ich kritisiere nicht, ich schaue und frage nur.</p>
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		<title>30 Jahre ttj, 30 Jahre Jugendtheater-Geschichte. Mit Barbara T. Pohle.</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 09:03:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Frank</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara T. Pohle]]></category>
		<category><![CDATA[Danksagung]]></category>

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		<description><![CDATA[Dein Festival, Barbara Sie sitzt auf dem Mäuerchen neben der Treppe zum Festzelt. Gekleidet in Schwarz, die Arme verschränkt, manchmal lässt sie die Beine baumeln. Ihre wachen Augen blinzeln. Nie sitzt sie alleine da. In der Regel ist sie vertieft ins Gespräch mit einem der jugendlichen Gäste oder mit einer ihrer Mitarbeiterinnen. Ab und zu&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dein Festival, Barbara</p>
<p>Sie sitzt auf dem Mäuerchen neben der Treppe zum Festzelt. Gekleidet in Schwarz, die Arme verschränkt, manchmal lässt sie die Beine baumeln. Ihre wachen Augen blinzeln. Nie sitzt sie alleine da. In der Regel ist sie vertieft ins Gespräch mit einem der jugendlichen Gäste oder mit einer ihrer Mitarbeiterinnen. Ab und zu steht sie auf und begrüßt ankommende Gäste. Sie lacht. Ja, meist trifft man sie lachend an und wäre da nicht das unvermeidliche Handyklingeln, würde dieses Lachen wohl über alle Tage andauern. Fordert ein Anruf sie aber in die Leitungs-Rolle, verwandeln sich ihre Züge. Sie sagt, „Pohle?“ – hört zu, entscheidet klar, und verabschiedet sich freundlich. Das Handy verschwindet. Ein neues Lächeln kehrt in ihre Züge zurück und die Aufmerksamkeit für ihren Gesprächspartner.</p>
<p>Festivalmanagerin ist ein cooler Job. Könnte man denken, wenn man sie auf diesem Mäuerchen, im Herzen des Geländes sitzend antrifft. Tatsächlich lässt sich Barbara Pohle während des Festivals nicht mehr aus der Ruhe bringen. Die Jugendprojekte organisiert sie mit aller Energie über 357 Tage im Jahr. Mit dem Beginn des Theatertreffens ist sie für ihre Gäste da. Und ihre Gäste, da ist sie entschieden, sind zu aller erst die Jugendlichen. Denen gilt ihr Respekt und ihr persönliches Interesse. Den VIPs widmet sie ihre Fachkompetenz und ihre höfliche Aufmerksamkeit.</p>
<p><span id="more-430"></span></p>
<p>Liebe Barbara, vor dreißig Jahren, als ich noch ein Schultheatertreffen in den Kinderschuhen war, da warst du schon für mich da. Alles war neu und aufregend. Die Achtziger waren Wilde Jahre des Aufbruchs in der Schultheaterszene und alle haben sich in diesen Anfängen über wichtige und grundsätzliche Dinge gestritten. Man glaubte ständig, die Feuerwehr rufen zu müssen. Du hast sie nicht gerufen, Barbara. Damals gab es noch kein Handy. Es musste auch ohne fremde Hilfe gehen. Du hast das ermöglicht.</p>
<p>Die Theaterszene der Jugend gedieh im Land. Hier, „auf dem Platze“, wie du es immer nanntest, wichen meine Festival-Kinderkrankheiten in den Neunzigern, den Nöten der Adoleszenz der jungen deutschen Theaterszene. Plötzlich wurde ich vom Schultheatertreffen zum Theatertreffen der Jungend umkonzipiert und alles war anders, mehr Theatergruppen, &#8211; mehr Institutionen und noch mehr Debatten unter einem Dach, und damit in deiner Obhut. Und geändert hat sich alles und nichts. Für dich und für mich. Du warst einfach da und hast dich nicht auf die Glaubenskriege eingelassen. Du beschäftigtest dich mit dem Arrangement des Treffens von jugendlichen Schauspielern. Das Gelingen dieser Begegnungen im Sturm der großen Aufregungen, inmitten von emphatischen Pädagogen und von Kreativität und Körperkraft strotzenden Künstlern, zwischen sparsamen Funktionären und fordernden Initianten. Wie die Juroren wechselten die Theaterstile, die Jury- Vor- und Nachsitzenden. Alle Spitzenleute ihres Fachs. Jede und jeder stand für etwas Eigenes in dieser Kunst und du standest in der Mitte des Geschehens. Neben all den „klaren Standpunkten“ brauchten sie doch alle deine Unterstützung und Gehhilfe auf dem bedeutenden Berliner Parkett. Sicher nicht immer nur ein cooler Job, liebe Barbara, mit so vielen Individualisten zu arbeiten, was?<br />
Die Jugendlichen kamen aus Bayern und Rostock, aus Düsseldorf und „Posemuckel“ und manchmal fragten sie dich, ob sie denn die Musik etwas lauter drehen dürften, oder ob vielleicht ein Handy gefunden worden sei. Und siehe da, sie blieben gleich bei dir sitzen. Und sie blieben uns treu. Denn im nächsten Jahr waren sie wieder da. Doch im Gegensatz zu ihren Theatereltern, die für künstlerische Positionen standen, waren manche von ihnen im neuen Jahr Autorinnen geworden, andere kamen als Musiker wieder, weil sie erst hier „auf dem Platze“, ihren Platz in der Kunst gefunden hatten oder ihre Sprache, oder beides. Oder weil sie bei dir die Erfahrung machen konnten, angekommen zu sein.</p>
<p>Alle, die angespannt kamen, gingen glücklich vom Platze. Nach jeder dieser dreißig Festivalwochen. Die Jugendlichen wurden älter und nach zehn, zwanzig Jahren schickten sie neuerlich ihre Kinder. Schüler, Studenten, junge Erwachsene. Die machten alles neu, die kehren mit eisernen Besen und künstlerisch &#8211; revolutionären Ideologien, all den alten Krempel von der Bühne. Emotionale und bewegte Menschen, die jeden und alles  bewegen wollten. Dich haben sie nicht erschüttert, liebe Barbara. Wenn man dich gefragt hat, was das alles zu bedeuten habe, hast du oft von dem seismographischen Wert des Theaters der Jugendlichen gesprochen. Wer das sagt, weiß was ein Erdbeben ist. Du kennst den Sturm und weißt, wie man die Wellen reitet. Aber davon erzählst du nicht. Nicht auf der Bühne, nicht in den Gremien und auch auf dem Mäuerchen nur ganz Wenigen.</p>
<p>Eigentlich, liebe Barbara, sitzen wir ja zu zweit hier. Ich, das Theatertreffen der Jugend, zu dem das Bundesministerium einlädt, und du, das „Treffen junger Künstler der Barbara Pole“, dessen Teilnehmer kommen, weil sie einer inneren Stimme vertrauen, weil sie wissen, dass sie willkommen und respektiert sind, ohne ausgewählt zu sein.</p>
<p>Und während sich das Kuratorium im Turmzimmer konzeptuell berät, während die Fachtagung fachsimpelt, die Workshops sich die Stöcke um die Ohren hauen und das Adrenalin in den Blutbahnen der abendlichen Darsteller kocht, sitzen wir beide auf dem Mäuerchen, du, liebe Barbara Pohle und ich, dein Festival, und wir lassen die Beine baumeln und schmunzeln ein wenig und reden mit den Jugendlichen von damals und heute.<br />
Danke und eine schöne Zeit, liebe Barbara Pohle.</p>
<p>Dein Festival</p>
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		</item>
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		<title>Stand by your Jugendtheaterfestival</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 08:53:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Oberlaender</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara T. Pohle]]></category>
		<category><![CDATA[Christina Schulz]]></category>
		<category><![CDATA[Danksagung]]></category>
		<category><![CDATA[TTJ]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Abschiedsveranstaltung für die scheidende TTJ-Chefin Barbara T. Pohle. Dieses Jahr, erzählt Barbara T. Pohle am Ende des Abends, hat sie zum ersten Mal im Theater ihr Handy angelassen. Das hat sie selbst überrascht, aber einmal ist eben immer das erste Mal. Oder das letzte. Dieses Theatertreffen der Jugend, das Dreißigste, ist das letzte, das&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_449" class="wp-caption alignnone" style="width: 490px"><img class="size-full wp-image-449" title="30jahr_jubilaum1" src="http://blog.theatertreffen-der-jugend.de/wp-content/uploads/2009/05/30jahr_jubilaum1.jpeg" alt="30jahr_jubilaum1" width="480" height="321" /><p class="wp-caption-text">Foto: Gudrun Ohst</p></div>
<p><strong>Die Abschiedsveranstaltung für die scheidende TTJ-Chefin Barbara T. Pohle.</strong></p>
<p>Dieses Jahr, erzählt Barbara T. Pohle am Ende des Abends, hat sie zum ersten Mal im Theater ihr Handy angelassen. Das hat sie selbst überrascht, aber einmal ist eben immer das erste Mal. Oder das letzte. Dieses Theatertreffen der Jugend, das Dreißigste, ist das letzte, das unter Barbara Pohles Leitung stattfindet (schon teilt sie sich den Job mit der von ihr ausgewählten zukünftigen Chefin Christina Schulz). Ein wichtiger, ein traurigschöner Grund, Glück zu wünschen, zurückzublicken.</p>
<p>Es ist eine Zeitreise. Auf der kleinen Bühne des Theaters unterm Dach ließen die Moderatoren Martin Frank und Simone Neubauer die Jahre durchlaufen, von 1980 bis 2009, von der Einführung des Zauberwürfels in Deutschland bis zur Hertie-Pleite. Was alles passiert ist in der ganzen Zeit! Nur noch ein paar Beispiele. 1981: Gründung des Chaos Computer Clubs. 1984: erste E-Mail. 1990: Karl-Marx-Stadt heißt jetzt Chemnitz. 1991: Ötzi wird gefunden. 1993: die fünfstelligen Postleitzahlen werden eingeführt. 1998: Einführung des Euro wird beschlossen. 2001: erster iPod – der 11. September wird interessanterweise nicht erwähnt.</p>
<p>Aber das ist alles Weltgeschehen. Viel wichtiger sind die Freundinnen und Weggefährten aus 30 Jahren Jugendtheater, die nacheinander auf die Bühne kamen, jeder zuständig für ein Jahr, jeder mit 30 Sekunden Zeit, na ja, vielleicht auch einer Minute, je nachdem. Die sich bedanken, die Anekdoten erzählen und Lieder singen, Pfingstrosen überreichen, Barbara umarmen, sie küssen und beschenken.</p>
<p><span id="more-427"></span></p>
<p>Im Laufe der Bühnenjahre wird Barbara T. Pohle zur „Mutter für alles“ erklärt, als Strippenzieherin und lächelnde Sphinx, die zwar nie etwas zum Jugendtheater sagt, es aber mit aller Kraft fördert. Sie wird zur Oberehrensulzbacherin erklärt, auch an anderer Stelle heißt es: „Wir Bayern, wir danken dir!“ Aus einer alten Produktion wird zitiert: „Sie war ein Mädchen voller Güte / und naschen tat sie auch sehr gern“ – passend dazu bekommt sie später eine handgefertigte Marzipanrose – isteineroseisteinerose &#8211; überreicht.</p>
<p>Soll man jetzt Namen nennen? Karlheinz Frankl ist der erste, mit Jutetasche in der Hand erzählt er von der schwierigen Anreise seiner Gruppe zum ersten Schultheatertreffen 1980. Den Abschluss macht Julia Gräfner, mit einem Schritt wird sie zur großen, gewaltigen Gertrud, ihrer Königin aus dem Schweriner „Hamlet“, der vergangenes Jahr zum TTJ eingeladen war: „Mir dringen diese Worte ins Ohr wie Dolche!“</p>
<p>So viele zwischendurch. Blick auf die Liste: Mariya Kozachenko, Günter Frenzel, Edgar Wilhelm per verlesener E-Mail, Thomas Lang, Ilka Cordula Felcht, Winfried Steinl. Die alte Gefährtin Emilia Schroeter, die Barbara lange umarmt. Henrik Adler, Karl Heinz Wenzel („TTJ ohne Pohle ist wie Hafen ohne Mole“). Die mittlerweile mit der Gruppe She She Pop erfolgreiche Performerin Mieke Matzke, Christel Hoffmann, Klaus Belz, Martin Frank, der von Barbara gelernt hat, dass die „Jugendlichen wichtiger sind als alle VIPs der Welt zusammen.“</p>
<p>Weiter: Renate Breitig aus dem Kuratorium. Marco Trochelmann, der auf indischen Spezialkochtöpfen ein Ständchen trommelt. Gudrun Bahrmann, Sebastian Stolz, Ulrike Hatzer und der Dramatiker Thomas Freyer, in einer wunderbaren Drei-Personen-Szene, die über drei Jahresabschnitte verteilt erklärt, warum Barbara T. Pohle erstens gebürtige Geraerin ist und dass zweiten ihr Mittelinitial für „Theaterfabrik Gera“ steht. Das „Theater“ glaubt man ihnen sofort.</p>
<p>Dann die Lübeckerin Marlies Jeske mit der Marzipanrose. Der Musiker Elis mit Gitarre, der witzig antäuscht, dann aber zart und nachdenklich singt, nur kurz, aber es sind ja auch nur 30 Sekunden Zeit. Die Juroren Michael Stieleke und Sepp Meißner, letzterer mit einer „Kratzbürste“ aus Draht, um den „Lack aus Unechtem und Falschem“ abzukratzen. Carmen Waack, die Barbara ein auf der Bühne eingeweihtes Waschbrett schenkt – und Jungjuror Charles Morillon, der im vergangenen Jahr noch in dem Magdeburger Stück „Kinder zur Sonne“ auf der Wabe-Bühne stand.</p>
<p>Zwischendrin in diesem bunten, lustigen, melancholischen, zum Lachen und Heulen schönen Abend deutet der Hersfelder Spielleiter Klaus Riedel – nach Lektüre eines alten FZ-Interviews mit Barbara – ihre Vorliebe für Interrogativpronomen aus. Die haben nämlich laut Duden „auswählende Bedeutung“. Und Riedel sagt voraus, dass die kommenden Jahre ohne TTJ, in denen Barbara sich in ihrem neuen Wohnort Frankfurt anderen Dingen widmen wird, „im Zeichen des Possessivpronomens“ stehen werden.</p>
<p>Nicht, dass Barbara T. “heatertreffen der Jugend“ Pohle nicht immer im Vollbesitz ihres Lebens, ihrer Umgebung, ihrer Menschen, ihres Festivals gewesen wäre. Starke Frau, die sie ist. Im Laufe des Abends wurde ihr „viel Kraft für die Entzugserscheinungen in der ab jetzt TTJ-freien Zeit“ gewünscht. Barbara wird diese Kraft haben, da sind wir nicht Bange. Sie bleibt auf Empfang. Ihr Handy bleibt an.</p>
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