
Foto: Skarlett Röhner
Da fängt es an, das Festival, und gleich mit einem Stück, bei dem es zugegebner Ma-ßen schwer fällt zu sagen, wie es war. Die-se Frage soll aber an dieser Stelle beant-wortet werden. Ich will es mal versuchen.
Zu erst einmal beruhigende Worte, schlecht war es nicht. Es hatte Qualität, ohne Zweifel. Es war technisch wunderbar umgesetzt. Ich glaube der Gruppe sofort, wenn sie erzählt, dass sie lange und gründ-lich an den Bewegungsmustern ihrer Figu-ren gearbeitet haben. Wer einmal die Peanuts als Comic gesehen hat und mag, schwelgt wahrscheinlich in den ersten fünf Minuten in Glück. Lucy stemmt gekonnt die Hände in die Hüften und schiebt die Unterlippe nach vorn, Sally fuchtelt wie wild und klaut die Aufmerksamkeit der Zuschauer, und Pig Pen schafft es, dass Lydia sich im Publikum ziemlich ekelt. Da ich weitgehend ohne Fernseher aufge-wachsen bin, kann ich nicht tiefer darauf eingehen, aber nach dem Ansehen einiger You Tube Folgen sag ich mal: Hut ab für die Körpersprache. Und auch sonst stim-men die Timings weitgehend, im zweiten Akt wird es etwas wackliger, aber im Ge-samtbild sieht man hier vor allem eines: viel Arbeit dahinter.
Und auch sonst – Bühnenbild und Requisi-ten minimal gehalten und damit Figuren in Kostümen genug Platz zum Wirken gelas-sen. Und man nimmt sie ihnen zumeist ab, ihre Aufregung, ihre Wut, ihre Unsicher-heit. Besonderes Buddy, also Charlie Brown, sollte an dieser Stelle gelobt wer-den. Yeah!
Vieles, was man jetzt positiv hervorheben kann, mag am Stück liegen. Das finde ich gut! Ich mag die universelle Übertragung auf die Comicfiguren, ich mag die Texte, die auf einem guten Weg zwischen emoti-onal und lustig sind, ich mag die klar defi-nierten Charaktere, die doch sehr realisti-sche erscheinen, und „ja, es gibt wohl sehr viele Buddys, in dieser Welt“. Und zuletzt find ich die Inhaltlichkeit einfach dufte, sehr klar, genau richtig anspruchsvoll und aussagekräftig. Wahrscheinlich führen wir uns wirklich viel zu wenig vor Augen, wie politisch doch unsere alltäglichen Ent-scheidungen sind, und dass wie wir in ei-ner Gruppe miteinander umgehen, der di-rekten Übertragung standhalten muss, wie wir in einer Gesellschaft miteinander um-gehen wollen. Dass wir eben nicht einfach positionslos bleiben dürfen.
Ein gutes Stück gut umgesetzt.
Aber irgendwie… irrrrrgennnnnd-wie…..ähhhh ….. bin ich trotzdem nicht voller Jubelschreie und auch die Frage warum, das will an dieser Stelle beantwor-tet werden. Es fehlte was, sagen wir, die Tiefe. Das Stück von sich aus tief genug (?), aber irrrrrrgendwie darf es dabei nicht bleiben. Das Thema ist zu wichtig, um es perfekt runterzuspielen, gerade in Akt zwei wird es zur Schablone, auf einmal genügen die Comicfiguren nicht mehr, um den Text zu füllen. Die Gruppe bleibt bis zum Ende konsequent. Ich frage, ob es sich hier nicht lohnt zu brechen (nee, nicht so wie ihr jetzt denkt) mit der Struktur. Denn es bekam seine Längen da unten im Gefängnis Ge-nuas. Und das hätte ja nicht sein müssen. Was auch nicht hätte müssen sein, ist so zu tun, als wäre ob das Publikum nicht helle genug wäre, und deshalb die politisch- persönlichen und persönlich-politischen Themen per Power Point einzublenden. Das machte es noch mehr zur Lehrveran-staltung. Ein Erklärcomic, der einem zwar nah geht, aber dabei genauso eindimensio-nal bleibt wie die untiefe Bühne Wo ist die andere Seite?
Wo bleiben die Fragen nach der Wirklich-keit der Schablone, nach der Schuld auf beiden Seiten, nach der Option für die Buddys dieser Welt, die es zwischen offi-ziell und halboffiziell nicht schaffen, ein-mal nein zu sagen und auf eigenen Kopf und eigenes Herz zu hören.
Es ist eben wie mit einem Comic der mir erklärt das die Welt schlecht ist, auf die einsame Insel würde ich das Buch mit-nehmen das sagt wie es besser geht.