Kategorie Rezensionen

Don’t cry for me, baby: Was es gab

Witz: Poncho und Sombrero. Mottoparty, um Julia kennen zu lernen, natürlich als Peruaner.
Romantik: ohne Veroneser Balkon, aber mit Lichterkettenschaukel.
Brutalität: wenn Julia mit Pralinen beworfen wird und man weiß – jetzt wird es nicht mehr besser.
Text: Romeos letzte Worte (an Julia) – „Nicht weinen.“ Hach.
Gebrüll: das undeutlich verhallt.
Punks: die coole Kostüme anhaben. ABER: die gleich nach dem ersten Flirt in die Kirche rennen? zum Heiraten? Da macht die Klischee-Stringenz eine Verschnaufpause. Aber leider auch die Schlüssigkeit des Übertragungskonzepts.
Erotik: der längste Kuss der Festivalgeschichte.
Stimmung: Musik („All I wanna say is they don’t really care about us!”), Licht (Mega-Lichtwand zum Schluss, denn am Tragödienende bleibt manchmal nur gleißendes Licht) hochfahrende Wände (wieder gleißendes Licht, in blau, infernalisches Trommeln).
Zukunft: auf allen Musical-Bühnen dieser Welt.
Enttäuschung: am Schluss. Denn man dachte, diesmal hätten sie eine Chance.

Don’t cry for me, baby: Zwischen Dynamik und Overkill

Foto: Dave Grossmann

In “Don’t cry for me, baby” werden Romeo und Julia in die Punkszene und in die Disco inszeniert. Es gibt straßenrealistische Kostüme (Lederstrumpfhosen, Schottenröcke, Nietenjacken, alles da), es wird getanzt, gepöbelt, gesungen, gekämpft und geschrien, Bier, Wasser und Speichel werden ausgespien. Den punkigen Montagues stehen snobistische Capulets entgegen (hier: ein großartiges Schauspiel von Niklas Wetzel als Paris: charismatische Bühnenpräsenz, ungezwungene, wie selbstverständlich dargestellte Überzeichnungen – Wahnsinn!).

Es ist die Hölle los, und das mitten bei Shakespeare. Aber es ist keine repräsentative Jugendkultur, die hier aufwartet: Die Gestalten sind zu schrill und zu skurril, aber so lange es Spaß macht, solange das Stück keine höheren Maßstäbe verlangt, kann das gemacht werden, um altbekannten Geschichten neues Leben einzuhauchen.

Die Szenen werden von einer mitreißenden Dynamik getrieben: vitales Schauspiel, selbstbewusste, überzeichnete, vor Elan sprühende Charaktere, rauschend schnelle Szenenwechsel. Dazu ständige Überraschungen im minimalistischen Bühnenbild: Die Straßenlaterne in der Mitte flackert auf, ein Müllcontainer erscheint, aus dem Figuren kraxeln, ein Klavier wird hereingeschoben und beklimpert, eine romantische beleuchtete Schaukel senkt sich herab. Spiele mit Licht und Dunkelheit: Choreographien mit blinkenden Gegenständen und Schwarzlicht. (Für das Schwarzlicht dankt die Redaktion: unser Papier leuchtete, endlich keine Live-Notizen ins Schwarze hinein!)

Zu Beginn und zum Schluss wird in die Zauberkiste gegriffen und auf den Putz gehauen: Eingangs erheben sich zwei schwere Wände und geben den Blick frei auf eine wuchtige Trommelperformance auf Eisentonnen; zum Abschluss versinkt eine schattenrisshafte extensive Kussszene im Rauch der Nebelmaschine und eine Sternenwand aus Spotlights gleitet hinab, um voll aufzudrehen und das Publikum zu blenden.

So steht im Vorspiel zum Faust: „Besonders aber laßt genug geschehn/ Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn/ Wird vieles vor den Augen abgesponnen/ So daß die Menge staunend gaffen kann/ Da habt Ihr in der Breite gleich gewonnen/ Ihr seid ein vielgeliebter Mann./ Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen/ Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus/ Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen/ Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.” Und da beginnt die Kritik:

Es war zu viel. Die Hälfte des Stücks besteht aus einem Lärmteppich aus Musik in Discolautstärke und dem Geschrei der Schauspieler gegen den Sound. Wie subtil da Jugendjargon und Originaltext verwoben sind, kann meistens nicht festgestellt werden. Manche Szenen klingen nur nach “Wuamamama buu ftaka mamama wu, du Arschloch!” Die Szenen mit wildem Tanz (dabei: Lob an die dynamischen, einfallsreichen Choreographien) kehrten viel zu oft wieder, als hätte man Angst, zu ernst und trocken zu werden, wenn man den Fokus auf die viel interessanteren Dialoge und Konfrontationen der Figuren legen würde.

Das Grundproblem – vielleicht auch eine Frage der Mischung und Tontechnik – ist ein Overkill an Lautstärke und undeutlicher Sprechweise. Eine Herkulesaufgabe: Wie soll man bei dieser Mischung aus Energie, Wildheit und Tempo klare Worte finden – ohne Mikrofon? Vielleicht durch sanfter gemischte, auf weniger Szenen reduzierte und einen Tick leisere Musik, durch etwas mehr Innehalten zwischen den Szenen, und durch eine Prise mehr Artikulation. Das hätte viel verändert.

Ohne diese Überladung an Sound und Tempo wären die virtuosen Ideen und Bilder der Inszenierung noch mehr in den bewundernden Blick gerückt: Pater Lorenzo, der ein Medley von Laudato Si bis Blowing in the Wind am Klavier klimpert, während ein Neon-Kreuz über ihm grellt. Oder die hochromantische Glitzerschaukel, die 15 Meter in die Höhe reicht, auf der die verliebte Julia schaukelt, indes Romeo sie auf der Straßenlaterne stehend anhimmelt. Mut zum stillen Moment, und das Stück entfaltet sich.

Don’t cry for me, baby: Drama, baby

Foto: Dave Grossmann

Meine Frage, als ich raus ging: Habt ihr den Film gesehen? „Romeo and Juliet“? Den mit Leonardo DiCaprio und Clare Danes, aus den 90ern?

Es war kein neues Stück, keine neue Idee. Auch im Film: Viel Action, viele Schüsse und neonleuchtende Kreuze. Ich wusste immer genau, wo ich mich im Film befinde. An sich ist das nichts Schlimmes. Man muss es nur sagen, damit es kein Copy and Paste wird, in dem man dann ein paar Sätze weglässt, oder ändert und so leichte, aber auffällige Abweichungen entstehen: Romeo trinkt beispielsweise nicht wie im Film, den Gifttrank, sondern wird im Handgemenge von Paris erschossen.

Ja, man darf schreien, man darf knutschen und rülpsen und Kunstblut benutzen, es kann dann Spaß machen zuzuschauen. Wenn aber nur geschrien wird, ist es schwierig. Oder nachdenklich. Das weiß ich nicht genau. Einerseits hatte ich das Gefühl: wie nervig! Andererseits hatte ich das Gefühl: krass, wie verzweifelt die Figuren sind. Julia singt erst ein melancholisches Lied, flippt dann aus, schreit, schreit, schreit.

Mir ist klar, dass es eine Karikatur war. Mir ist nicht klar: von wem. Das hätte ich gerne gewusst. Wen stellt die Gruppe überzogen dar? Oder machen sie es sich nur bequem, wenn sie so ein bisschen die Punk-Subkultur reinbringen, indem sie Netzstrumpfhosen tragen und Dosenbier trinken. Ich könnte nicht sagen, wer wer war. Natürlich, es gab den Romeo, der unerklärlicherweise ganz anders aussah als seine Freunde, der nur ein einziges Mal Einfluss auf die Technik hatte, indem er das Licht ausknipste. Es gab Julia und ihre Freundinnen, Schwestern? Waren es 3 oder 4?

Auch ich habe den Fuß zur Musik gewippt. Aber irgendwie, obwohl ich gar nicht wollte. Es ist nämlich ein bisschen gefährlich: irgendwann klatscht und lacht man über alles, auch über Schwulenwitze.

Don’t cry for me, baby: Früher, als Gott noch ein Punk war

Foto: Dave Grossmann

Gestern Abend habe ich mich – zugegebenermaßen – in die (Licht-)Technik verknallt. Das Licht war ein Zauberwerk. Jeder Effekt saß. Die Schaukel, die Lichterketten-Kränze, die bunten Lichter, die mich an einen Drogenrausch denken ließen: Wunderschön. Zum Schluss weckten die blendenden Scheinwerfer den in der Fiktion versunkenen Zuschauer und erwischten ihn gleichermaßen als Voyeur pubertärer Knutsch-Szenen.
Die Jugendliebe: ein impulsives Rauscherlebnis, überladen mit Michael-Jackson-Sarah-Connor-Kante-Radiohead-Soundtrack, parodistischen, an Disneys Highschoolmusical erinnernde Tanz- und Gesangseinlagen, Las-Vegas-Eil-Hochzeiten und angebrachter Pseudo-Christlichkeit, (Kapuzen-) Knutschen, psychedelischen Parties und Rauschmitteln aus dem Fläschchen. Es gab ein bisschen Kitsch, ganz viel Punk und Darsteller, die ihre Bühne und das Aggressionspotenzial des Stückes schauspielerisch voll ausgekostet haben. Es war toll, weil bewusst einfach alles „over the top“ angelegt war.

Man hat zwar nicht verstanden, was Julia eigentlich an Romeo findet, oder Romeo an Julia, oder wieso Paris auf einmal Julia liebt, aber die mangelnde Nachvollziehbarkeit hat „Don’t cry for me, baby“ nicht geschadet, im Gegenteil: Die Liebe nimmt man so hin. Man fragt nicht danach.

Manche Szenen haben sich am nächsten Morgen in den Kopf eingebrannt, zum Beispiel wie Paris Julia mit Pralinen bewirft. Das war still und brutal, ein kleiner Moment der Ruhe neben den Schlag auf Schlag angesetzten, lauten Konfliktsituationen. Leicht haperte es manchmal an der Akustik, Romeo und Julia hat man leider schlecht verstanden. Vielleicht war das auch gewollt, die letzte Bastion minimaler Intimität neben großer, öffentlicher Gewalt.

Einige Charaktere hätten präziser ausgearbeitet werden können: Die weiß gekleideten, jungfräulichen Verliebten hätten im Vergleich zu den anderen Charakteren mehr Eigenschaften tragen können als nur brav und knutschend daher zu kommen. Die Punks waren Mittelpunkt der Inszenierung, aber was war mit den Capulets? Diese fielen in der gestrigen Inszenierung leider ein bisschen hinten ab, waren eher zweidimensional, abgesehen von Paris, der wundervoll schmierig mit seinen Pralinen hantierte.

Die Inszenierung schließt ziemlich genau an den Film „Romeo & Juliet“ an. Das war in den 90ern mit Leonardo diCaprio in seinen jungen Jahren. Primär ging es um Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Daneben musste ich öfters an das Skandalvideo der Band „Justice“ denken, in dem Jugendgewalt präsentiert wird. Der Zuschauer folgt einer Gruppe randalierender Jugendlichen, die alles kurz und klein schlagen. Sie tragen einheitliche schwarze Jacken mit auf die Rückenflächen eingenähten weißen Kreuzen. Mercutios eindrucksvolle Tätowierung erinnerte mich plötzlich an diese Parallelität. Das Originalvideo gibt es auf Youtube: Es heißt „Stress“.

Don’t cry for me, baby: Verona leuchtete

Foto: Dave Grossmann

Wir kennen die Geschichte und die meisten dieser bewegenden Bilder haben wir auch schon mal irgendwo gesehen, auf dem Theater, irgendwann. Man könnte überhaupt öfter sagen, „ja, aber“. Wenn man wollte. Ich will nicht. Ja, man hat manchmal wenig verstanden, wegen dem Hall und dem Schreien. Da habt ihr recht. Aber was ihr kindisch nennt, nenn ich den Sturm und Drang. Was ihr Kitsch nennt, nenn ich Liebe.
Am Anfang hatte ich ein wenig Angst um das Stück, ein wenig Angst davor, dass die Geschichte im Krawall untergehen könnte, als alle immerzu geschrien haben. Obwohl die Playback-Gitarren-Sache so sehr cool aussah. Eben alles zu cool aussah, und zu lustig war.

Wir haben gelacht, als die Montagues als peruanische Fußgängerzonen-Kombo auf die Capulet-Mottoparty schlürfen. Und dann Formationstanz machen. So sehr lustig. So sehr coole Idee. So sehr unerwartet. Nicht lustig (aber für schwangere, grölende, saufende Prekariatsangehörige wie die Figuren) wohl vielleicht irgendwie passend: dumme Homosexuellenwitze. Dass die dann Leute ernsthaft lustig fanden. Nicht lustig, wie gesagt.

Wir haben gestaunt: Als der eiserne Vorhang hochfuhr und alles trommelt. Sehr laut und sehr wunderbar. Wir haben gestaunt über das perfekte Licht.

Aber dann lernen sie sich kennen. Außenrum weiterhin dies alte Leben, wo Leute in Mülltonnen feiern. Aber innen ist alles anders und diese Leuchtschaukel fährt von der Decke, er erklimmt die Straßenlaterne und plötzlich ist es genau so, wie ich hoffte, dass es sein würde. Eine Geschichte von der Liebe und dem Sterben, die man nicht ganz ernst erzählen muss, aber trotzdem ernst nehmen will und muss. Weil es eben das Größte ist zu lieben.

Sie heiraten am nächsten Morgen bei einem postchristlichen Pfarrer, der Best-of Medleys der größten Jesus-Hits, aber nicht Wagners „Treulich geführt“ spielen kann und tauschen die schönsten Trauringe, die es je gab, aus. Heiligenscheine oder Lichterkränze.

Es kommt wie es kommt, Tybalt bringt Mercutio um, Romeo bringt Tybalt um und muss fliehen, vorher kehrt er nochmal zurück zu seiner Julia, dem kleinen Mädchen im weißen Kleidchen, mit Ringelstrümpfen und ohne Schuhe.

Dann der Kuss, länger als bei Kate und William, ganz sicher. Rauchwolken und Licht aus Luken im Boden. Paris singend mit seinen Pralinen und Gerbera. Der nächste Morgen als Schattenriss vor einer leuchtenden Wand. Sehr rührend, diese Liebesgeschichte. Die Liebesgeschichte. Die Liebesgeschichte aller Liebesgeschichten. Und so schön anzusehen.

Weiter im Text: Päris, der singende, pralinenessende Cousin des Prinzen (der unsägliche Platzpatronen schießt, naja), will Julia heiraten. Vielleicht, um zu beweisen, dass er nicht homosexuell ist. Vielleicht liebt er sie auch. (Vielleicht liebt er sie sogar mehr als Romeo, nämlich ohne die Belohnung des Zurückgeliebtwerdens? Müsste man mal drüber nachdenken.) Sie will das nicht, in Päris geht irgendetwas kaputt und er hört auf mit dem Pralinenessen, um die Schokolädchen nach Julia zu werfen. Wahrscheinlich liebt er sie. Sie tut so, als wär sie tot, man bringt sie in die Gruft. Vorher singt sie nochmal (schönst) und schreit und springt (nicht so schön), aber aus dieser Schreisache wird dann ein leuchtendes lautes Neonrauschen, aus dem Julias Beerdigung wird. Aus dem sich dann Julias Beerdigung kristallisiert, sollte ich schreiben. Die Musik geht aus, das Licht (dies Licht, immerwieder dies Licht) geht an. Und bitte:

Päris hat immer wieder Julias schlaffe Hand fallen lassen. „Ich hab meine Braut verloren, es ist alles umsonst“.
Und dann kommt Romeo und Paris schießt Romeo in den Bauch; er knallt ihn unerwartet (dass man das über das Ende in Romeo und Julia sagen kann, unerwartet, wie wunderbar) einfach so ab, und das nicht mal wirklich absichtlich, irgendwie haben sie sich ja umarmt und irgendwie haben sie gemeinsam um Julia getrauert.
Lydia hat geflüstert, „Ich hatte gedacht, die hätten diesmal vielleicht eine Chance“.

Dann wacht sie auf, erschießt sich und der Himmel, das Licht kommt heruntergefahren und alles leuchtet. So sehr schön und so unglaublich traurig.

For never was a story of more woe / Than this of Juliet and her Romeo. Exeunt omnes. Ende.

Liberation is a journey: Porentiefe HD-Videos

Foto: Dave Grossmann

Zuerst ist das Geräusch. Seltsam sphärische Töne, klingen ein bisschen wie Moby, Texte werden nicht gesungen. Es wird gestampft, die Stimmen fügen sich zu einem Klangteppich, als würde man ihn ausrollen, um darauf Geschichten zu erzählen. Bedrückende Geschichten, solche, die das Schweigen fordern, die ungeteilte Aufmerksamkeit. Es sind porentiefe HD-Videos, mit denen Jugendliche unterschiedlichster Herkunft ruhig und aufmerksam porträtiert werden.

Interessant daran ist vor allem der Aufbau: Auf der Bühne gibt es keine Schauspieler, nur Musiker. Sie bewegen sich hinter einer durchsichtigen Leinwand, auf der vorproduzierte Videos gezeigt werden, Kurzfilme gewissermaßen, manchmal auch der eine oder andere Stop-Motion-Animationsfilm. Film und so genannte “Vocal-Band” wechseln sich ab, gehen manchmal auch ineinander über. Ab und an gibt es schön anzusehende Schatteneffekte, wenn hinter der Leinwand plötzlich die Taschenlampen gezückt und die Gegenstände angestrahlt werden, die von der Decke hängen.

Doch der Fokus liegt eindeutig auf dem Film. Der Aufbau ist dabei bei jedem Einspieler der Gleiche: Erst ist es sehr ruhig, dann wird es auch nicht viel lauter. Die Kamera nimmt sich Zeit, es gibt viele Pausen, die bei den ersten zwei Filmen noch okay sind, dann aber ermüdend werden und wie “Denkpausen” wirken. Warum sollte ich Menschen dabei zuschauen wollen, wie sie Löcher in die Luft starren? Dann doch lieber ihren Geschichten lauschen, von Flucht und Vertreibung, von Männlichkeit und Stolz, von einem Dorf, in das Rebellen einfallen und Menschen töten, ganz persönliche Geschichten irgendwie, die nüchtern, aber dadurch nicht weniger erschreckend und berührend gesprochen werden. Und das trotz der Tatsache, dass ich mich persönlich durch das mediale Mitleids-Overkill, das uns schon im Alltag umgibt, oftmals seltsam unberührt fühlte.

Etwas irritierend: Ab und an erscheint eine Pistole, wie aus dem Nichts – ein ziemlich seltsames Leitmotiv, das sich durch den ganzen Film zieht. Unnötig.

Und da wären wir schon beim Hauptproblem: Mir hat sich der Sinn der Bühne nicht ganz erschlossen. Dabei meine ich nicht die Frage danach, was Theater darf und ob das überhaupt Theater gewesen ist. Schon eher: Hätte der Film allein nicht ausgereicht? Was haben mir diese manchmal schönen, manchmal irgendwie meditativen Vocal-Einlagen gesagt? Und: Hätte man das alles nicht um eine gute halbe Stunde kürzen können?

Es war kein runder Abend, beileibe nicht. Ein nachdenklicher Abend mit vielen Denkanstößen – das war es allerdings. Und die neue Moby-Platte, ganz nebenbei, ist ziemlich großartig.