Kategorie Rezensionen

Testosteron: Schnupfen

Foto: Dave Grossmann

Alex liebt Marina. Denn Marina ist „wie der Frühling, wie Sonnenaufgang, wie Nutella.“

Die Geschichte, die das Junge Ensemble vom TheaterGrueneSosse in ihrem Stück „Testosteron“ erzählt, ist simpel gestrickt und altbekannt. Mit Marina gibt es den ersten Kuss, den ersten richtigen Kuss im Kino, mit Zunge, aber danach läuft es irgendwie nicht mehr so gut. Stress mit Mama, Stress mit Schule, Hausarrest und Handyverbot, und der beste Freund unterhält sich mit Marina, und schließlich endet alles auf dem Schulhof, mit Schubsen, und Marina sagt: „Du bist ja krass drauf.“ Es wird schnell klar: Der Plot des Stücks ist alles andere als spannend.

Aber darum geht es den vier Spielern ja auch gar nicht, sie wollen von Pubertät erzählen, von männlicher Pubertät, das heißt von feuchten Träumen, Wichsen, Sexy Sport Clips. Sie schließen sich im Zimmer ein, Mama denkt, der Sohn hat Schnupfen (wegen der Taschentücher), und SMS-Schreiben ist plötzlich gar nicht so einfach. Es sind die Jungs-Pubertäts-Klischees, die man kennt. Die man immer hört. In Jugendserien auf Ki.Ka, in Aufklärungsbüchern, in vergnüglichen Fernsehkomödien.

Dabei frage ich mich immer, ob denn Jungs-Pubertät immer so aussieht. Die Beziehung zum besten Freund wird erst auf die Probe gestellt, wenn es um dasselbe Mädchen geht, prügeln, raufen, cool sein, man denkt die ganze Zeit nur ans Bumsen, deswegen ist bei Mädchen das Rumkriegen das Wichtigste, aber weil das nicht immer gleich klappt, wird auf Mamas TV Spielfilm gewichst.

Ich frage mich, ob das allen heterosexuellen Jungs so geht. Ich frage mich, wie das Jungs geht, die nicht heterosexuell sind. Und dann frage ich mich, woran das überhaupt liegt, dass ein so festes Bild von Jungs-Pubertät besteht, dass man Bilder im Kopf hat von Jungs, die hektisch das Zimmer zuschließen, weil Mama genau jetzt die Schmutzwäsche einsammeln wollte. Wann geht es schon darum, dass vier Mädchen zusammen Pornos gucken? Um die erste blutige Unterwäsche?

Ein richtig einheitliches Bild von weiblicher Pubertät scheint es viel weniger zu geben. Treffen sich vier Mädchen, um zusammen Pornos zu gucken? Ist das normal oder selten? Man weiß es nicht, weder Jungs noch Mädchen, denn während der Diskurs über männliche Körperflüssigkeiten und Triebe gesellschaftlich völlig anerkannt ist, bleiben die weiblichen Äquivalente viel eher Tabuthemen. Tampons und Dildos sind noch lange nicht so sexy wie Sperma und Kondome. Onanieren Mädchen eigentlich jeden Morgen in der Dusche? Klischee ist es jedenfalls nicht.

Während also die erste Periode oder Selbstbefriedigung bei pubertierenden Mädchen außerhalb von „Mädchen, Mädchen“ und „Mädchen, Mädchen 2“ eher selten thematisiert werden, sind feuchte Jungsträume und Ständer im Schwimmbad Dauerbrenner der Pubertätsdebatte.

Und vielleicht wirken die Aussagen des Stücks eben deswegen so altbekannt. Auch wenn Jungs vielleicht wirklich nur von ihrer eigenen Pubertät erzählen können, hätte man sich doch gewünscht, dass sie tatsächlich etwas mehr von sich erzählen. Kleine Dinge, die dann doch vom Klischee wegführen, zu etwas anderem, das dann doch neu ist, das dann doch packt. Damit ich nicht genau dieselbe Geschichte über pubertierende Jungs auch hätte basteln können. Man wünscht sich, sie hätten tatsächlich erzählt, mit welchen „Schrammen“ sie „die Pubertät hinter sich gebracht“ haben und inwiefern sie dann doch „noch nicht ganz davon losgekommen sind.“ Wie im Programmheft versprochen.

Denn das ist doch eigentlich eine Kuriosität: Dass man ein Stück über Pubertät erst so richtig machen kann, wenn man gar nicht mehr in der Pubertät ist. Und das Frankfurter Ensemble war dem offiziellen Pubertätsalter tatsächlich entwachsen. Nur – muss man dann nicht auch die veränderte Perspektive ausstellen und produktiv nutzen? Von all den Marina-Timo-TV-Spielfilm-Verwirrungen – was bleibt am Ende? Das hätte mich interessiert. Wohingegen „Testosteron“ doch eher wie ein freundliches Aufklärungsstück daher kommt.

Dennoch findet die Produktion vom TheaterGrueneSosse oft die richtigen Worte. Zum Beispiel, wenn es um die ersten Risse in der Lieblingsfreundschaft geht. Mama und Psychiater diagnostizieren ADS („eine gezielte Medikamentation wäre wohl die eleganteste Lösung“), und dann sagt auch noch Timo zu Alex: „Du bist ja echt krank.“

Insgesamt sind es trotz guter Sprechleistung und gelungenem Mehr-Rollenspiel aber eben gerade nicht die Szenen mit Sprache, die überzeugen. Es sind die Tanzszenen. Mit beeindruckender Energie und Ausdauer präsentieren die vier „Testosteron“-Darsteller gut durchdachte Choreographien, zwischen schlaksigen Pubertätstanzbewegungen und Coolness-Posen. Viel Körperlichkeit, viel Kämpfen, viel Kräftemessen. Es sieht gut aus, gekonnt und ausdrucksstark, und erzählt dem Zuschauer damit viel mehr über Pubertät als jede gesprochene Klassenfahrtsszene des Stücks. Die Spieler überraschen, weil man mit Tanztheater nicht gerechnet hatte, aber letztlich genau das ihre Stärke ist.

Auch die Szenen mit Musik (Gitarre, Bass, Body-Percussion, Gesang, live aufgenommen und verdichtet) bringen dem Zuschauer den Alex-Protagonisten und seine Pubertätsprobleme viel näher als alle Textpassagen. Da verzeiht man auch das ungeschickte Immer-wieder-dem-Mischpult-Annähern.

Das Musikkonzept und Choreographien machen „Testosteron“ zu einem gelungenen, ästhetischen Abschluss für das diesjährige ttj. Wie in „Don’t cry for me, baby“ und „Blaubart – Hoffnung der Frauen“ ging es um erste Liebe, um Jungs und Mädchen; wie in „Clash“, „Ferienlager – Die 3. Generation“ und „Liberation is a Journey“ ging es um die Frage, wer man eigentlich ist, wie Männlichsein geht und wie Dazugehören; wie in „Ausarten. Um uns und die Kunst“ und in „Mutter Kuhranch“ ging es ums Spielen selbst, ums Ausprobieren.

Tanztheater sollen sie machen! Oder Bewegungstheater. Oder wie auch immer man das am Ende auch nennt. Jedenfalls sollen sie sich so bewegen wie heute und noch mehr und noch anders. Vielleicht können sie sich dann auch anderen Themen nähern. Erzählen, was sie jetzt bewegt. Was ihnen jetzt das Leben schwer macht und was ihr Herz jetzt schneller schlagen lässt (bummbumm bummbumm am Mikro). Ich würde kommen. Sogar nach Frankfurt.

Testosteron: Durchblick aufs Theater

Foto: Dave Grossmann

Strange what love does, oder? Geträumte Solo-Sexfantasien zu viert muss man erstmal zeigen, ohne dass es albern ist. Die Choreografie mit den Liebesaktpositionen bei „Testosteron“ war aber so unprätentiös und würdig gespielt, dass selbst in unserem notorisch heiteren ttj-Publikum (fast) nicht gekichert wurde. Zwei Freunde also, die dieselbe Traumfrau wollen. Der eine ist sich seiner Bedürfnisse und Vorlieben durchaus bewusst und kann auswählen, der andere ist der sympathische Underdog an der Morgenröte zur Mannheit.

Aber zugegeben, die Story ist schnell erzählt. Erst das Testosteron, dann die Endorphine. Herz gebrochen, Stück vorbei. Das ist schon eher nichtig, jedenfalls allgemein und allgemein bekannt. Der Plot war wirklich so unspezifisch, dass er durchsichtig wurde. Und das legte den Blick frei auf das bloße Theater hinter der Pubertätsstory: ein sehr gut anzusehender theatraler Werkzeugkasten.

Abgesehen von dem puristischen Roll-Paravent war alles transparent. Die Bühne war von Anfang an voll bestückt mit allem, was man brauchen würde. Sogar beim Musikmachen konnte man zusehen. Im Ergebnis ein wenig holprig, aber toll mitzuerleben fand ich das Herstellen eines Tracks aus seinen musikalischen Bestandteilen. Das war auch eine Metapher auf den Theaterprobenprozess, wo eben Schicht auf Schicht Ideen kombiniert werden, bis man eine Szene hat.

Nach überbordenden und mitarbeiterstarken Produktionen wie Don’t Cry for Me, Baby oder Liberation Is A Journey bot die Bescheidenheit der Frankfurter Inszenierung ein überzeugendes Kontrastprogramm. Hier war alles einfach, klar und Marke Eigenbau. Ein kleines, feines Stück.

Testosteron: Chrissy

Also, bei mir war das so: Den ersten Sex, den hatte ich mit, nun, nee, das ist zu persönlich. Aber ich hatte auf jeden Fall mal meinen ersten Sex, auf einem Stuhl, war lustig – aber auch genauso schnell vorbei wie der scharfe Nachgeschmack von Wasabi. An Spermaflecken auf dem Laken kann ich mich nicht erinnern, ich habe aber auch immer gesabbert, kann sein, dass mir das entgangen ist. Meine erste Freundin hieß Marie und war süß. Ich mochte ihre Wangen, weil sie mich an Kaulquappen erinnerten. Das habe ich ihr dann auch erzählt – und sie hat mich verlassen. Seitdem habe ich nie wieder Tiervergleiche gesucht, die sind nämlich total destruktiv. Meine zweite Freundin hieß Julia, das war eine richtig reife Beziehung. Wir haben uns zum Kino verabredet und haben hinterher Nutella-Brote gegessen. Ich mochte es getoastet, sie aß immer trockenes Schwarzbrot. Naja, ist ja auch egal, wir haben uns immer total gerne angefasst. Andere Paare haben sich zum Spazierengehen oder ähnlich unproduktivem Quatsch verabredet. Wir trafen uns immer zum Anfassen. „Morgen wieder anfassen?”, hieß es dann. Ein Nicken, ein Grinsen, morgen wieder, dankeschön, bittesehr. Irgendwann habe ich herausgefunden, dass mein bester Freund – Alex, wie ein Mädchen, das sind immer die geilsten – sie auch angefasst hat. Dann war es auch aus, nachdem wir ein echt total mega intimes Gespräch geführt haben. „Nochmal Anfassen zum Schluss?” „Nein!“ Mit Alex war es dann auch aus. Das Schwein. Ein letzter Versuch, seine Mutter rumzukriegen, scheiterte kläglich. Die hat sich aber auch angestellt. Das mit dem Ficken, also das begann dann mit Chrissy. Chrissy, die Süße. Chrissy, die rülpsen konnte wie Alex (das Schwein!). Chrissy, die rumblödeln konnte wie Timo. Chrissy, meine beste Freundin. Der erste Sex – auf meinem Drehstuhl. Wie schon gesagt: Nach einer halben Umdrehung war es schon wieder vorbei, aber – meine Herren – das waren die Sekunden, die die Welt bedeuteten.

Ich erzähle Dir das gerade, weil Du mir eben zufällig zuhörst.

Testosteron: Ein Jugendstück

Foto: Dave Grossmann

Eine Jugendgeschichte über den ersten Kuss: Vier Schauspieler variieren Stimmen eines Jungen in der Pubertät, der masturbiert, Pornofilme schaut, von einem Mädchen schwärmt, Hausarrest bekommt, über seinen Penis nachdenkt. Das Stück beginnt mit dem ersten Samenerguss auf einem weißen Laken, dazu donnert der zum Allzeitklassiker gewordene Bombast “Also sprach Zarathustra” von Strauss.
Der Rest des Stücks ist eine Sammlung von Anekdoten und Geschichten, die typisch sind für das Alter zwischen zehn und 13: Ein Publikum der Klassenstufen fünf und sechs würde mitfiebern und sich wiederfinden, lachen und gespannt zuhören. Da stellt sich die Frage, ob man auf die Brüste oder auf die Augen schaue, da wird eine SMS, die zum gemeinsamen Eisessen einladen soll, ausgeklügelt, da wird beschrieben, wie im Kino versucht wird, die Hand der Verehrten zu berühren.

Das Bühnenbild ist frei von unnötigen Requisiten: E-Bass und E-Gitarre, die angenehme Intermezzi liefern, eine Leinwand, auf die später Live-Close-Ups einer Figur per Handkamera projiziert werden: Alles kein Grund zu klagen.

Die Figur des pubertären Jungen steckt in vier Alter-Egos, in vier Schauspielerkörpern, die hin und wieder kurz in die Rolle der Mutter, der verehrten Marina, oder des besten Freundes schlüpfen. Dabei ist weder charakterlich, noch choreographisch in der Aufteilung in vier Alter-Egos ein tieferer Sinn zu erkennen: Als Zwei-Mann-Stück hätte sich wenig verändert.

Auffällig ist die Eindimensionalität der Erzählweise einer Geschichte, die, wie eine Figur selbst sagt, wir doch fast alle kennen. Das weniger als eine Stunde dauernde Stück reiht Klischees und bekannte Situationen aneinander und überrascht durch recht stereotypische Figuren. Bei der Darstellung der bloßen Flachheit pubertärer erster Verliebtheiten, fehlt ein Bruch, fehlen Ironie, Tiefe oder Persönlichkeit.

Dabei ist diese Zeit im Leben alles andere als unerzählenswert und kann durchaus mit Empathie inszeniert werden. Zum Beispiel mit persönlichen Geschichten – ungewöhnlichen Missgeschicken, individuellen Fantasien, plötzliche Begegnungen mit der Verehrten an ungewöhnlichen Orten, authentische Eigenschaften, die ausgerechnet dieses Mädchen so besonders machen. Beschreibungen ihrer Schönheit wie: “Ihre Augen. Ihr Mund. Ihr Hals.” versacken bildarm im Ansatz, ohne das Potenzial der intensiv erzählbaren Erlebnisse ansatzweise anzurühren.

Ich fragte mich: Warum erzählt ihr vier talentierten Schauspieler mir diese Geschichte? Wenn sie euch noch interessiert, wenn ihr euch selbst, einen Teil von euch, oder etwas von Menschen, die ihr kennt, in diesem Thema darin wiederfindet – warum wird dann so unpersönlich, so unbeeindruckt, so oberflächlich erzählt?
An mehreren Stellen offenbart sich das Stück durch seine eigenen Worte: „Bist echt noch ein Kind“, oder: „Jetzt wo ihr alle hier seid, kann ich’s ja erzählen“, oder am deutlichsten: „Ganz ehrlich: Ist doch nichts Besonderes.” Selbst mit Wohlwollen ist daraus keine Ironie zu gewinnen: Es ist eine sich selbst bewusste Eindimensionalität, deren sich selbst Bewusstsein nichts ändert.

Der Versuch, die Bühne körperlich performativ auszufüllen, gelang nur selten. Eine gelungene Idee: die Figuren teilen sich auf, in einen Sprecher vor dem Publikum, einen Bassisten auf der rechten Seite und zwei Hintergrundstimmen links am Mikrofon. Das ist dynamisch. Eine misslungene Idee: Die Figuren rennen minutenlang von der einen Seite der Bühne zur anderen, wie bei einer der lästigen Aufwärmübungen aus dem Turnunterricht – augenscheinlich schweißtreibend und recht gewollt.

Ich kann mir das Stück sehr gut für Jugendliche der fünften und sechsten Klassen vorstellen. Sie könnten im Nachhinein im Unterrichtsgespräch darüber diskutieren, ob diese Klischees sein müssten, und welche Dinge sie schon erlebt hätten, die darüber hinausgingen. Die Kinder würden zum Reden und Nachdenken kommen – und vielleicht sogar sehen, dass manche ihrer Sorgen gar nicht so unnormal sind. sebastian

Testosteron: Grüne Soße

Grüne Soße von meiner Oma mag ich gerne. Die auf der Bühne heute Abend weniger. Die Geschichte über Marina kam am Anfang durch choreografische Unterbrecher nicht in die Gänge, hörte aber umso schneller, nämlich mittendrin, auf. Ich habe oft lange gebraucht, um zu erkennen, was gerade dargestellt werden will: Die Stellungsfantasien erinnerten mich an das Würfelspiel „Schweinerei“. Die Spiegelszene war zu unpräzise, um gleich als solche erkannt zu werden. Die sexistischen Witze wurden nicht dadurch legitimiert, in einen Rahmen à la „Ich erzähle euch jetzt mal eine Geschichte“ gesetzt zu sein, da dieser Rahmen überflüssig war.

Ideenlosigkeit zeigte sich in der Länge der Szenen, sowie in ihrer Aufmachung: Unentschlossenheit dadurch darzustellen, dass man hin und her rennt, ist langweilig. Wirre Gedanken durch Gleichzeitig-ins-Mikrofon-Sprechen hörbar zu machen, auch. Eine grundlegende Unglaubwürdigkeit schlich sich ins Stück ein, die von kleinen Fehlern wie dem – so schien es mir – falschen Einsatz der Musikinstrumente, befördert wurde. Wieso spielen, dass man außer Atem ist, wenn man wirklich außer Atem ist? Wieso die Kamera? Wieso Menschenklumpen, viel zu lange Gesangseinlagen? Wieso nicht ins Individuelle gehen, anstatt überall- und immergesehene Bilder zu sammeln?

Testosteron: Teenage Dream So Hard to Beat

Foto: Dave Grossmann

Eine Exkursion nach drüben

another girl in the neighbourhood / wish she was mine
Darum gehts: Alex hat seinen ersten Samenerguss im Schullandheim, Alex liebt Marina, Marina hat vielleicht was mit Alex‘ bestem Freund Timo. So weit, so einfach. Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu.
Es ist so sehr schwierig, diese Geschichte erzählen, ohne dass sie nicht banal oder ausgelutscht oder einfach nur lächerlich wirkt. Wie soll man überhaupt von Spermaflecken, Küssen im Kino, dem Cover von TV-Spielfilm und YouPorn erzählen? Ein bisschen blieb es im Klischee und der Banalität hängen. Und wie soll ich, weiblich, auch wissen, ob es nicht wirklich für alle Jungs immer so ist. Ich hab ein paar gefragt, und die haben meistens gegrinst und ja gesagt. So gesehen war es für mich auch ein interessanter Ausflug in männliche Befindlichkeiten. Sehr interessant.

Und wie gesagt, wem sowas – Pubertät, Liebe, Peinlichkeiten – just passiert, dem scheint es immer groß, wichtig, orchestral.

Aber kann oder muss man das überhaupt noch, sich mit der Pubertät auseinandersetzten, so als die ziemlich erwachsenen Menschen, die die Spieler von TheaterGrueneSosse nun eben sind? Oder kann man gerade dann gut über die Leiden während einer männlichen Pubertät erzählen, wenn man ein bisschen Abstand hat und die schlimmsten Blessuren verheilt sind?

Es hätte mich sicher in den Wahnsinn getrieben, das Stück wäre wahrscheinlich nur Abklatsch und Farce gewesen, hätten die Spieler nun tatsächlich so getan, als wären sie vierzehneinhalb.

looks so good
Alex und seine Alter Egos tanzen. Tanzen miteinander. Und das kein bisschen pubertär, sondern erwachsen und männlich. Aggressiv und zart. Gespannt und spannend.

Mein liebster Moment: wie sie sich gegenseitig anfassen, zu erfassen suchen. Immer wieder ein Nein, dann zum Schluss ein Jaah, das erlösend sein könnte.

Wenn Alex auf der Rollbox über die Bühne wirbelt und sich immerwieder an seiner Mutter abstößt [diese Mutter, die so überhaupt nichts versteht – irgendwie schien mir das seltsam. Schnupfen? Komm schon!]
Wunderbare, so sehr wunderbare Momente.

Fiebernd nervöse, sentimentale oder mitgrölmäßige Musik. Klangcollagen und Loops. Selbstgemacht, live. Was will man mehr?

I need excitement, oh I need it bad
Zwischendurch hab ich mich gefragt, wann es weitergeht. Wenn die Lieder immer weiter gingen und immer weiter getanzt wurde.

Vielleicht ist dieses Gefühl des Im-Loop-Hängens auch teenagertypisch und wird absichtlich im Zuschauer erzeugt.

Aber sonst:
I wanna hold her wanna hold her tight / get teenage kicks right through the night