Kategorie Berichte

The End: Bereit zum Abschied

Foto: Dave Grossman

Ein Essay zum Start

Alles hat ein Ende. Dann wird geweint und in Arme genommen und gemeinsam „warum nur“ gedacht und zum Schluss der Beziehung, der Abiturzeugnisver-leihung und der Beerdigung liest jemand Hes-ses Stufengedicht vor und allen wird klar, dass „das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein [muss] und [zum] Neubeginne“ und dass es da so einen Zauber gibt im An-fang, der uns irgendwie hilft zu leben. „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ heißt es am Ende und meist auch noch, dass Gott immer dabei ist. Man geht dann heim.

Aber hier hat alles, alles ein Ende, wir gehen nicht heim, wir hören nur auf und spüren den Anfang noch nicht. Sind in einem großen Ge-bäude mit schwarzem Teppichboden, in dem man sich leicht verläuft. Schilder zeigen, wo es zur Bühne geht, wo zum Foyer. Aber wie man Freunde findet und Spaß und Neues, das sagt uns kein Schild, wir finden es trotzdem. Wie wir weggefunden haben von Eltern, Zuhause und Schule. Hierher nach Berlin.

Hier liest keiner Hesse, keiner sagt „Wohlan denn, Herz“ oder ähnlich Aufmunterndes oder überhaupt irgendwas. Ganz stumm sind wir, sitzen so vor dem Abspann unseres bisherigen Lebens, haben noch die Maisspelzen zwischen den Zähnen vom Popcorn, aber die Tüte ist leer und das Licht wird nicht angehen. Da steht, wer mitgemacht, wer eine Rolle gespielt hat in unserem Leben, der Drehort, die Wid-mung.

Und wir versuchen, irgendwas zu fühlen und hören, eine große Orgel, die größte, an der ein Bach sitzt, es muss nicht mal Johann Sebasti-an sein, auch Philipp Emanuel geht oder ein anderer nicht an Kinderlähmung gestorbener Sohn, weil alle Bachs diesen erschütternden Orgelpunkt halten, den Ton, der das ganze Stück über klingt, tief und basal, zum Dran-festhalten. Weil die Bachs zum Schluss die Kadenz spielen und alles steht in Moll, das ganze Stück in Moll und traurig, aber – ha – der letzte Akkord, die Tonika in Dur. Die Erlö-sung. Und auf einmal ist das Moll überhaupt nicht mehr erinnerbar, auf einmal ist alles in Dur, immer gewesen.

So will man doch enden, wenn man will.

Wir wollen aber nicht, gar nicht. Wollen uns nicht immer anhören: „Schon zum 32. Mal: Das Theatertreffen der Jugend!“ Immer mehr Ge-burtstage hat man, aber immer weniger Ge-burts-Tage.

Wir wollen Regenwurm sein. Wenn uns das neugierige Kind mit den Fingern aus unserer Erde zieht, der dunklen, warmen, und uns auseinanderreißt, dann leben wir doppelt wei-ter, wir wachsen und regenerieren. Und das neugierige Kind fragt sich, wie das geht, und wo überhaupt das Gesicht ist. Der Teil, den es abgerissen hat, das ist früher, die Tage bis heute. Der neue Teil, das sind wir.

Der Anfang

Das Trommeln kommt entweder von ganz oben oder von hinten. Die Quelle ist nicht so leicht zu ermitteln. Ab und an wird gerappt (es hat sogar schon jemand “Ich ficke Deine Mutter!” gerufen), jemand verwurstet Nirvanas “Smells like Teenspirit” mit Massivs “Wenn der Mond in mein Ghetto kracht”. Zumindest klingt das so. Künstlerische Freiheit.

Im Garten füllen Menschen ihre Bäuche, die FZ-Redaktion schreibt fleißig an der ersten Ausgabe, die Bühne bekommt den letzten Feinschliff, Menschen laufen hektisch hin und her. Jemand sagt: “Leute, ich kann es kaum glauben, wir sind in Berlin!” Ein anderer sagt: “Hältst Du bitte kurz die Tür offen”. Tja, ttj bedeutet eben auch das Zusammentreffen verschiedener, nun, Bedürfnisse.

Das Haus der Berliner Festspiele ist ein, Zitat, “schon ziemlich edler Ort”. In der Tat, das ist er, und er wird immer edler: Noch sind nicht alle Gruppen da, das Festival nimmt langsam, aber zielgerichtet, Fahrt an. Um meinem Hals hängt das Namensschild von einer gewissen “Alexandra”. Ich muss sie finden. Dann beginnt das, was alle zusammenführt und was das 32. ttj genauso fantastisch werden lässt wie die anderen zwei Jahre, die ich miterleben durfte: Das Grüßen, das Kennenlernen, der Austausch. Hallo, ich heiße Khesrau.

BlickRück – Bühne dunkel, Vorhang, Licht

Bühne dunkel. Vorhang. Lasst uns ein letztes Mal zweifeln, ein letztes Mal hadern. Tief Luft holen. Die Beine wippen, Finger verkrampfen sich. Augen zu. Hineinhorchen. Der Moment vor den vielen Momenten, da läuft noch einmal alles durch den Kopf. Die vielen Probenmonate, die ersten Ideen und die ersten konkreten Umsetzungen.

Vielleicht ist es ja egal, weil vorbei. Vielleicht aber dienen jene Erinnerungen als Stütze; dafür, um nicht zu vergessen, dass Theater viel mehr ist als das Bespielen einer Bühne. Es ist ein Prozess, der formt und fördert, eine Entwicklung, an deren Ende nicht nur ein Theaterstück steht, sondern auch eine Persönlichkeit. Bei einem Festival wie dem Theatertreffen der Jugend ist das besonders wichtig, weil sich eben diese Persönlichkeit stellen muss: dem Publikum, der Kritik, den Nachgesprächen. Die dunkle Bühne ist der letzte Augenblick, wo das Spiel noch einem selbst gehört, wo es ein ganz persönliches Ding ist, wo bis zu diesem Zeitpunkt hin Theater kein Unterhaltungs-, sondern Selbstfindungs-, Fluchtmedium ist.

Und – meine Güte! – was gibt es nicht alles zu suchen, zu finden, wovor kann nicht alles geflüchtet werden, wovor kann sich ein Körper nicht alles retten! Wegrennen heißt ja auch immer, irgendwohin laufen. Sehr lobenswert also, wenn es Menschen gibt, die sich als Zielort das Theater aussuchen, um dort zu arbeiten, etwas zu erschaffen und dann zu zeigen. Dafür darf man ruhig dankbar sein, auch wenn sie – wenn sie auf der Bühne stehen – niemals sie selbst sein können, so sind sie doch zumindest Karikaturen, Porträts, Parodien von etwas, das es in ent- oder vielleicht sogar verschärfter Form tatsächlich gibt.

Licht. Es wird geflutet. Die Blicke richten sich auf die Bühne, Scheinwerfer legen sich auf die Körper, es wird alles schwerer, jeder Schritt, jedes Wort, die Spannung spürbar. Es gibt klare Grenzen, Choreografien, man lebt plötzlich in Erinnerungen, Zeilen dürfen nicht vergessen, Einsätze nicht verpasst werden.

Es wird zuvor viel davon gesprochen, was Bühne eigentlich bedeutet, was Theater heißt, was es bewegt und was nicht. Es wird über das Ausleben geredet, von Träumen, von Wünschen, vielleicht sogar Ängsten, davon, dass ein Stück „Ich“ drinsteckt, ein Stück Selbstverständnis. Das ist insbesondere bei Jugendtheater der Fall, wo mit höchster Wahrscheinlichkeit alle auf der Suche nach irgendwas sind.

Doch: Theater funktioniert anders als das richtige Leben. Würde man normalerweise Unsicherheiten aus Selbstschutz wie im Reflex von sich weisen, versuchen, sie zu verdecken, zu verstecken, werden sie im Theater zelebriert, gefeiert, das Unperfekte wird nicht losgelassen, sondern in das Scheinwerferlicht gezerrt, bloßgestellt oder getröstet, weil es doch ach so menschlich ist. Weil sie vielleicht eben nicht zu schön sind für diese Welt, weil sie eben nicht einfach nur „girls!“ sind, sondern viel mehr und weil sich Ängste im Selbstauslöser am deutlichsten offenbaren, so wunderbar sind in ihrem Makel, um thematisiert zu werden.

Letzten Endes ist Licht die wohl perfekte Metapher für das, was auf dem Festival passiert: Erst wird gesehen, dann wird diskutiert, beleuchtet. Die Augen werden weit geöffnet, die Türen auch. Jugendliche sprechen miteinander, tauschen sich aus und genauso soll es sein und nicht anders.

Und wenn man gesättigt ist? Dann zurück rennen, lieben, hassen, alles zwischendurch leben, schwarzweiß und bunt, Erfahrungen sammeln, Ängste, Wünsche, Träume. Dann wieder weglaufen, ab ins Theater, für uns. Danke.

Revolution der Parese – Gedanken zum Schluss

Mit den Worten, das Theatertreffen der Jugend sei eine Utopie, die gelingt, eröffnet Martin Frank das Theatertreffen der Jugend. Plötzlich wird die Revolution reloaded, während wir in der Redaktion noch über „Die Räuber“ diskutieren, klaut jemand mein gesamtes Hab und das auch noch gut. Die neu eingeführten Redezeit-Buttons werden beim ersten Nachgespräch von der Gruppe zunächst zu Körperschmuck degradiert. Im Spielleiterworkshop treten mittelalte Männer als sturköpfige Nerds oder verunsicherte Seppelhosen auf, während „Girls! Girls! Girls!“ ihnen die Penisse um die Wette aufbläst.

Es ein feministisches Festival, ein Aufbruch, der jedem Mauerfall zu Grunde liegt. Es geht ums Loslassen, ums Fallenlassen und Vertrauen, die unschuldige Diktatorin Anna Blume wird zu Grabe gepflanzt. Während aus lauter Angst die jungen Männer noch mit Hodenschmerzen und gebrochenen Beinen in umliegende Krankenhäuser gehamletet werden, beginnen Selbstauslöser uns ins Festival zu tanzen – wozu schöne Männer vom Himmel regnen und ihre Körper zeigen.

Ich persönlich bin das dritte Jahr hier. Jedes Jahr zieht sich eine nur still wahrzunehmende Dramaturgie durch die neun Tage, es passiert etwas, das mit Entwicklung zu tun hat, mit einem jeweiligen Problem, an dem gekämpft wird. Am Donnerstagabend entziehe ich mich, weil ich das Loslassen lerne und also praktizieren muss gleichzeitig. Ich höre mir in Berlin eine Lesung an, ich vergesse für einige Stunden das Festival, ich habe Angst, der Redaktionsleiter wird mir den Hals umdrehen. Auf dem Rückweg treffe ich in der Tram Leute vom Festival und sie wirken fremd auf einmal, sie wirken wie von einem anderen Stern, sie stecken in einem Kosmos, der so verrückt zu sein scheint, dass er die Wahrheit erkennen kann. Am nächsten Morgen begebe ich mich ebenso zurück, ich erkranke sofort, überall um mich herum brechen Schnupfen und Halsschmerzen aus, werden Tabletten geschluckt – das Festival ist ein Herd der Neurosen, ein Herd, der zu heilen versucht.

Ich beobachte, wie die Mädchen mit genau diesen und jenen Jungen flirten, es ist immer ein anderes Prickeln, ein anderes Schwingen und jedes Mal scheint es dennoch gleich zu funktionieren, jedes Mal ist es ein Schauspiel mit den gleichen Neurosen, die nach Freud sich durch Mütter und Väter regeln.

Ich habe dieses Jahr ein sehr feministisches Festival erlebt, ob in den Gesprächen, ob in den Stücken. Ein Mauerdurchbruch einer Generation, für die Gleichberechtigung kein Fremdwort mehr ist, sondern eine Selbstverständlichkeit, die praktiziert wird – die rote Farbe aus der Revolutionsfahne ist in die Tische Dänemarks gewandert.

Ich erinnere mich an das Jahr 2009, damals hat der Tod der Überväter eine Rolle gespielt. Diese haben wir heute überwunden, ihre Einstellungen zu Frauen, ihre Ansichten zu Beziehungen. Der Joghurt, den wir löffeln, wird kaum mehr diskutiert – 2009 war das ein großes Thema gewesen – stattdessen werden wir stilfrei und tanzen freistil. Der Tod hat 2009 eine Rolle gespielt, fast in allen Stücken ist er vorgekommen. Heute läuft die neue Chefin vons Janze schwanger über das Festivalgelände und wir sind bereit, unsere Ansichten neu zu gebären.

So gesehen hat Martin Frank recht behalten: Das Theatertreffen der Jugend ist eine gelingende Utopie, der Gedanke an eine Kommune, die zusammenkommt, um eine Entwicklung zu durchlaufen, die durch die Welt da draußen hindurchgeht, ihr in Geschwindigkeit voraus ist. Natürlich wehren sich unsere Körper. Natürlich brechen all unser Ekel und all unsere Besessenheit nach den althergebrachten Regeln unsere Eltern ein weiteres Mal auf.

Doch am Ende machen wir den Zuschauerraum zur Tanzfläche, wir stampfen die Fläche durch, die uns auf die Ohren gehauen hat, wir schauen wieder auf, wir trauen uns, loszulassen und verlieren uns nicht. Es ist kitschig zu glauben, dass es funktioniert, aber – so ist es.

Für die offene Tür: Zum Kritisieren im angemessenen Rahmen

Das Theatertreffen der Jugend ist nicht nur dafür da, um zu präsentieren, sondern auch, um zu diskutieren, miteinander zu sprechen. Deswegen freuen wir uns über die Rückmeldung der Düsseldorfer Theatergruppe am Goethe („Müssen nur wollen“), deren Spielleiter Nurcan Selek und Hendrik Kung sich nach einem persönlichen Gespräch mit der Redaktion unter der Überschrift „Im Ton vergriffen“ nun auch schriftlich zu den FZ-Kritiken äußert:

„Ein kritischer Blick auf Theaterstücke ist wichtig. Es ist wichtig, den Mut zur Ehrlichkeit zu besitzen und die Theatergruppen nicht aus falscher Freundlichkeit zu schonen. Die Festivalzeitung hat sich offenbar genau das zum Motto gemacht. Hier wird hinterfragt, kritisiert und provoziert.

Zwar lesen sich die stilistisch einwandfreien Texte gut, jedoch erzeugen sie durch ihre teils reißerische Art oft auch Unmut. Dabei geht es weniger um den Inhalt der Kritik, als um dessen Präsentation. Die Texte greifen zwar niemanden persönlich an, sind aber in einer Schreibweise verfasst, die grundsätzlich von oben auf die Stücke hinabzublicken scheint.

Eine Festivalzeitung, die zusätzlich auch noch über den Festival-Blog im Internet präsent ist, schafft Öffentlichkeit.

Wir sind der Meinung, dass man sich zu Recht beschwert, wenn Gruppen und Stücke in dieser Öffentlichkeit auf eine Art und Weise kritisiert werden, wie man das sonst nur hinter verschlossener Tür tut. Nach der mittlerweile breit geäußerten Kritik an dieser Machart hoffen wir, dass die Redaktion der Festivalzeitung sich an dieser orientiert und Kritik im angemessenen Rahmen äußert.“

Nach dem in der zweiten FZ-Ausgabe abgedruckten Essay „Zum Schreiben übers Spielen“, in dem es um das Schreiben von Kritiken, das Kritisiertwerden und das Verhältnis zwischen Autor und Schauspieler geht, soll an dieser Stelle nun erneut auf diese Problematik eingegangen werden.

Zunächst eine Klarstellung: Alle Stücke sind aus einer großen Anzahl an Bewerbungen ausgewählt und prämiert worden. Dieser Erfolg soll auf diesem Festival nicht geschmälert, sondern zu allernächst gefeiert werden.

Allerdings geht es auch um eine kritische und konstruktive Auseinandersetzung mit den eigenen Inszenierungen und denen der anderen Teilnehmer. Austausch ist dabei der wohl wichtigste Aspekt und zeigt sich in den Aufführungsgesprächen, in den Workshops, im Festivalzelt, aber eben auch in der Festivalzeitung.

Ein Festival, egal welcher Art, lebt von der Offenheit, der Öffentlichkeit, lebt davon, in einem Diskurs miteinander zu stehen, Türen zu öffnen und nicht zu schließen. Dabei sind die Grundsteine schon gelegt: Dass die Produktionen beispielhaft und herausragend sind, steht in den Urkunden; warum sie es sind, in den Jury-Texten. Die Festivalzeitung ist dazu da, Reibungspunkte, Schwächen, aber auch Stärken herauszuarbeiten, sie deutlich zu benennen – und damit Ansätze für das zukünftige Arbeiten anzubieten, nicht nur durch die redaktionellen Beiträge, sondern auch die der Festivalteilnehmer.

Was ist dabei der angemessene Rahmen? Zunächst: Die Festivalteilnehmer und ihre Beiträge werden ernst genommen, ohne Samthandschuhe und Zurückhaltung der Meinung. Dabei setzen sich die Kritiken konstruktiv und argumentativ mit den Stücken auseinander: Gesehenes wird beschrieben, Meinungen werden begründet. Die Redakteure nehmen zwar durchaus eine Außenperspektive ein, weil sie nicht als Spieler in das Festival involviert sind, aber sie blicken nicht auf die Stücke herab, weder grundsätzlich noch teilweise. Das wird auch an der Form sichtbar: In jeder Ausgabe sechs Seiten zum Stück, vier davon Kritiken, in denen mehrere Redakteure verschiedene persönliche Standpunkte einnehmen, ohne persönlich zu werden. Klar, es fühlt sich nie gut an, kritisiert zu werden. Aber wie die FZ in ihrer zweiten Ausgabe im eingangs erwähnten Essay schon geschrieben hat:

„[…] wir wollen euch nicht wehtun, wir wollen euch kitzeln; indem wir beobachten, festhalten, nachfragen, nachdenken, reflektieren. Und unsere Leser sollten das eine nicht vergessen, wenn sie über uns urteilen: dass wir auch ein Stück von uns selbst in dieses Festival geben.“

Und das gilt nach wie vor.

Text: Lydia Dimitrow und Khesrau Behroz

Elefantenparty: Die Workshop-Präsentation im Theater unterm Dach

1. Schau-Spiel-Platz (Judica Albrecht)
gesehen: Sieben Figuren, die was erzählen darüber, wie sie sich bewegen. Die sich annähern, in Beziehung zueinander stellen. Erzählen in kurzen Begegnungen kurze Geschichten.
gefallen: Flüchtige Momente, reduzierte Möglichkeiten. Zeigt, wie wenig man braucht um zum Beispiel eine Straße entstehen zu lassen. Fein. Leichtfüßig. Ausprobiering.

2. Spielplatz Berlin- Prenzlauer Allee (Juliane Schwerdtner)
gesehen: Vier Ecken, aus dehen heraus Menschen über die Bühne laufen. Sich mit verschiedenen Themen begegnen. Parallel zueinander Geschichten vorlesen und Menschen darstellen die andres tun. Am Ende die Tortur einer Supermarkverkäuferin.
gefallen: Ähnlich zum ersten aber doch anders. Schön war grade der Schluss, der eine wirkliche Intensität bekommen hat durch die übereinandergelegten Stimmen, Bewegungen und die Sinnbilder des Wegträumens der Verkäuferin (?) in Hintergrund. Man glaubt, dass die Figuren im Original auf der Straße recherchiert sind

3. Physisches Theater (Sarah Speiser/ Mukdanin Daniel Phongpachith)
gesehen: Viele, viele Menschen strömen wie Schafe auf die Bühne. Finden sich zu Grüppchen. Beginnen sich miteinander/ gegeneinander zu bewegen, variieren Körperthemen. Sie gehen zu Boden, neue Musik lässt sie erneut aufstehen. Schließlich gibt es eine Synchronisation eines Kampfes, ein endgütiges gemeinsames zusammenfallen zu einem Haufen. Einen gemeinsamen Aufschrei.
gefallen: Ich mag das sehr, wenn das Kollektiv in manchen Momenten zu Boden geht. Gemeinsamer Einsturz. Die schnellen Wechsel und vielen Unterschiedlichen Ideen waren schön, manchmal allerdings zu parallel, um wirklich alles aufzunehmen. Bei den Tischkämpfern dagegen haben wir sicher alle gelacht.

4. Blablabla. – Dialoge für das Theater erfinden (Laura de Weck)
gesehen: Eher gehört, ein kleines Stück über das Festival. Sieben Protagonisten. Acht Szenen. Eine kleine Liebesgeschichte, ein Lebensmitteldrogenskandal, Schauspielertypen, Großstadtarroganz, Intrigen, Festivalstimmung. Mit allem drum und dran.
gefallen: Lustig war es, Dinge wiederzuerkennen. Das Aufgreifen von Festivalthemen schafft Gemeinsamkeit. Das fehlende Salz, natürlich der hoch motivierte FZ-Reporter (definitiv die vielschichtigste Rolle). Ich mag sehr, wenn ein Text total für die Zuschauer geschrieben ist und deshalb umso lebendiger.

5. Das Sohlenmaterial der DarstellerInnen (Knut Jensen)
gesehen: Wenig, eigentlich nur zwei Szenen, immer wieder, darin aber sehr viel. Allein durch die Musikuntermalung jedes Mal ein komplett neues Bild. Der Blick in den Kopf eines Wassertrinkers und lachende Schauspieler bei Krimimusik.
gefallen: Was kann Musik? Ziemlich viel. Ein Voraugenführen der Mittel, grade bei dem vielem Einsatz von Musik in den diesjährigen Produktion sehr aktuell.

6. WortSpiel- Ein lyrisch-dramatisches Ewperimant (Katharina Bauer/ Barbara Pohle)
gesehen: Räume aus Papier auf dem Boden. Textfragmente gemeinsam und nebeneinander gesprochen. Eine Aggressivität. Ein Gefesseltwerden mit einem gemeinsamen Band. Entstehen eines Moments.
gefallen: das undurchsichtigste Produkt. Aber doch hat sich in den kurzen Minuten auf der Bühne etwas gezeigt. Der Text blieb irgendwo zwischen zart und aggressiv im Raum.

7. Something must go wrong! (Simone Neubauer)
gesehen: ein Haufen Spielleiter, die sich zum Horst machen, verschiedenes Darstellen. Miteinander spielen. Auch wirklich Spielen. Viele Momente zum Lachen.
gefallen: Ich hab gelacht, aber mich trotzdem nicht für blöd verkauft gefühlt. Das Waagehalten zwischen Komik und Ernst. Und natürlich eure Spielleiter, die sich auf die Bühne trauen. Auch das schafft Gemeinsamkeit, nachdem man euch ja so viel auf der Bühne gesehen hat.