Fortsetzung folgt…

Das ttj ist zu Ende gegangen, aber Ihr macht weiter, als Gruppen und als Einzelne. Was sind eure nächsten Projekte? Was werdet ihr nach dem Festival tun? Wir haben bei einigen von Euch nachgefragt – aber natürlich nicht jede Person vor das Mikrofon bekommen. Hinterlasst doch bitte einen Kommentar, wenn Ihr Euch auch mitteilen wollt!

Junges DT, Berlin:
„Wir werden ‚Clash’ noch bis zum Sommer 2012 mit großer Freude aufführen. Im Oktober steht dann ein Gastspiel in Düsseldorf auf dem Programm. Für die nächste Spielzeit wird vom DT ein neues Ensemble für Homers ‚Odyssee’ zusammengestellt. Einige von uns werden dafür wieder vorsprechen, und es wird vielleicht das eine oder andere Wiedersehen geben.“

Marcel, vom jungen DT
„Am 16. Juni wird meine erste Inszenierung mit dem Titel ‚Frau Hegnauer kommt’ im Theaterforum Kreuzberg uraufgeführt*. Es geht um das Thema Sterbehilfe: Wie kommt es dazu, dass jemand sich entscheidet, sterben zu wollen, wie reagieren die Familie und die Freunde darauf? Das Stück hat die Schweizer Journalistin Lisa Stadler geschrieben. Ich mache erst in einem Jahr Abitur, deshalb wird das zeitlich keine großen Probleme zwischen Theater und Schule geben. Ich bin gespannt. Danach möchte ich Schauspiel studieren – oder Regie. Das werde ich nach dem 16. Juni dann vielleicht genauer wissen. *www.hegnauer-berlin.de“

Daniel, TheaterGrueneSosse, Frankfurt
„Ich werde auf der brutalsten Suche nach einem Praktikumsplatz sein, etwas mit Film, Filmproduktion. Danach geht das Studium weiter: Medienmanagement in Wiesbaden.“

Karl, TheaterGrueneSosse, Frankfurt
„Ich werde immer spielen! Jede Philosophie-Vorlesung werde ich spielen, jede S-Bahnfahrt durch Frankfurt. All meine Arbeitszeiten in der Stadtbücherei und als Bühnenhelfer werdne gespielt sein. Und spielen werd ich spielen.“

Ossian, TheaterGrueneSosse, Frankfurt
„Ich werde in Frankfurt weiter TFM (Theater-, Film-, und Medienwissenschaft) studieren, aber trotzdem den Festivalrhythmus beibehalten. Dank diesem werde ich endlich mal dazu kommen, etwas zu machen! Schreiben zum Beispiel und mich beim tja bewerben. Damit ich nächstes Jahr auch ohne Stück wieder hier sein kann.“

Frowin, TheaterGrueneSosse, Frankfurt
„Mein kulturelles Jahr beim TheaterGrueneSosse endet im Sommer. Danach möchte ich in Darmstadt Digital Media studieren. Vorher vielleicht noch eine Spanienreise – da war ich noch nie! … Was? Die demonstrieren da? Ich krieg so was nicht mit.“

TAGGS, Schwerin
„Am Montag spielen wir erst mal mit einem anderen TAGGS-Ensemble die Derniere von unserem Stück ‚Im Trüben Fischen – Die Nibelungen’. Und dann werden wir gleich an unserem neuen Theaterprojekt weiterarbeiten, damit wir uns nächstes Jahr hier wiedersehen! Wir wollen den ‚Sandmann’ von E.T.A. Hoffmann auf die Bühne bringen. Aber im Moment befinden wir uns noch in der VVV oder auch FFF, der Vorfreudephase.“

Robert, TAGGS, Schwerin
„Durch den Workshop, den ich hier zum Physischen Theater gemacht habe, bin ich dazu inspiriert worden, mich jetzt nicht nur für Schauspiel, sondern auch parallel für Physical Theatre zu bewerben. Außerdem will ich auch auf jeden Fall unsere Workshop-Leiter, Sarah und Muk an ihren Hochschulen besuchen.“

TAGGS, Schwerin
„Wir hatten hier so einen Eindrucksschock! Auf dem Festival haben wir gesehen, wie viele andere Theaterformen es noch gibt, dadurch werden wir auch einen ganz anderen Blick auf unser neues Jahresprojekt haben. Vor allem aus den Workshops haben wir viel mitgenommen, zum Beispiel einiges an Handwerk für das Schreiben von Szenen. Und was wir in dem Workshop ‚Die Realität hat die geilste Grafik’ gemacht haben, würden wir auch gern mal bei uns ausprobieren.“

Patrick von Mutter Kuhranch, Unterschleißheim:
„Ich studiere Elektro- und Informationstechnik an der TU München. Wenn ich mit Theater weitermachen werde, dann bleibe ich beim Ehemaligen Grundkurs ‚Dramatisches Gestalten’ des Carl-Orff-Gymnasiums. Ich möchte Theater nur im Hobbybereich machen, alles andere wird mir zu viel. Das Theater ist im Gegensatz zum Studium etwas komplett anderes. Es macht Spaß neben dem Lernen. Und ist auch körperlich sehr gut, man braucht nicht mehr zu McFit zu gehen. Es ist auch eine soziale Komponente zwischen den ganzen Studentennerds. Das ttj hat mich entspannt und es hatte viele schöne Bilder. Es verschafft einem eine erweiterte Sicht auf Theater. FZ, ich liebe euch.“

Christian von Mutter Kuhranch:
„Ich studiere Germanistik und Geschichte auf Lehramt. Eigentlich auch Ethik, aber dazu bin ich zu faul. Es wäre schön, wenn das Theater mehr wäre als ein Hobby. Das ttj hat mir verdeutlicht, dass das Jugendtheater in Deutschland eine beeindruckende Qualität und Diversität hat. Ich werde bestimmt sehr traurig sein, dass es vorbei ist. Die Stimmung und Atmosphäre werde ich vermissen. Einfach dieses Festivalfeeling. Ich könnte jedes Jahr wiederkommen. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung für mich. Mein Workshop hat mir sehr, sehr gefallen. Und mich vorangetrieben.“

KarateMilchTiger, Chemnitz:
Undine: „Was ich nach dem Festival tun werde? Weinen, dass ich euch nicht mehr sehe. Schreien, dass Montag wieder Schule ist. Klavier spielen.“
Wolle: „Endlich wieder Sternburg!“
Flo: „Schlafen, Fassbrause vermissen, mich langweilen…
Steffi: Traurig sein, allen erzählen, wie geil es war und mich auf die Proben freuen.“
Sophie: „Ich singe, nein, ich gröle ‚I’m walking on sunshine’ und freue mich, dass wir da sein durften.“
Dennis: “Ich nerve alle damit, wie genial es hier war und bin traurig und glücklich zugleich.“
Johanna: „Ich bin zum Brunchen eingeladen (ja geil: ESSEN!).“
Lena: „Ich lege mich in die Hängematte im Garten und träume davon, wie schön es war, was wir zusammen erlebt haben und welch schöne Momente es gab.“
Frieda: „Traurig sein und alles und jeden hier vermissen, schule, schlafen! und irgendwo Party, sonst langweile ich mich zu Tode!“
Franzi: „Mich zu Hause einschließen und meine Socken begrüßen. Danach Sehnsucht nach Berlin!!! Und endlich wieder in den normalen Biorhythmus zurück finden.“

Jasmin und Vanniii, FFT Düsseldorf:
„Jetzt kommen erstmal blöde Abschlussklausuren und Englischarbeiten. Danach beginnt meine kaufmännische Ausbildung. Mehr wissen wir noch nicht. Außer, dass wir ganz viel mitnehmen werden von hier. Zum Beispiel die Einladung zum KulTür-auf-Festival, für das wir im Oktober nach Berlin kommen werden. Dort können wir zeigen, dass wir mutiger geworden sind auf der Bühne und weniger nervös. Den Kontakt zu den ganzen Freunden, die wir hier kennen gelernt haben, wollen wir auf jeden Fall halten!“

Freie Waldorfschule Berlin-Kreuzberg
„Wir würden sehr gerne noch ein Stück zusammen spielen, aber nächstes Jahr machen wir Abitur, manche von uns wollen ins Ausland – es ist unrealistisch, dass es noch mal klappt. Aber wir hoffen, dass wir unser ganzes Leben noch Kontakt halten können.“

Nora, Freie Waldorfschule Berlin-Kreuzberg
„Ich bin mir ziemlich sicher, kein Schauspiel zu studieren. Das Leben als Schauspieler fordert so viel Energie, das bedeutet wenig Platz für anderes. Aber es macht auch unglaublich Spaß.“

Joshua, Freie Waldorfschule Berlin-Kreuzberg
„Ich möchte kein Schauspiel studieren. Ich brauche sehr lange, bis ich mich auf der Bühne wohlfühle, auch wenn ich dort gerne Zeit verbringe. Ich möchte etwas arbeiten, bei dem ich nicht das Gefühl habe, die Zeit vergeht langsam. Zum Beispiel Grafikdesign – da vergeht die Zeit schnell.

Stimmen zum Schluss

Foto: Dave Grossmann

+++ Also, toll waren die Verpflegung, die Organisation, die FZ, die Abendgestaltung und die Stücke +++ Es war schade, dass einige Workshops schlecht besucht waren +++ Ich bin begeistert vom Festival, da ist etwas zwischen den Gruppen entstanden +++ toll sind vor allem die Leute, die die FZ machen +++ das TJA, TJJ und TJM sollten mehr zusammen machen, da kommt Gutes dabei raus! +++ Das Büffet am Abend war kalt, aber ich wollte warm und die Salate da waren gewöhnungsbedürftig +++ Wir lieben ANTI +++ Die Leute im Hotel waren so unfreundlich +++

+++ Khesrau!!! +++ Das Feuer war großartig und der Garten, ach ja und natürlich die Workshopleiter, die waren toll +++ es war schön zu erleben, wie sich die Gruppen gemischt haben +++ das Mittagessen war der Hammer +++ Freiwein und Freibier, juhu!!! +++ Der erste Abend und der letzte Abend sind/waren die besten Abende überhaupt +++ Tolle Parties! +++ Die Türsteher sind klasse, die sind immer gut drauf und halten einem nachts um drei noch die Tür auf +++ Dieses Jahr war alles so groß, zu groß, alles hat sich ein wenig verloren, in der Wabe war es gemütlicher +++

Die Stücke waren dieses Jahr sehr gut. +++ Respekt!!! +++ Gut war, dass man in 5 Minuten am Hotel war +++ Zwei mal Freibier war toll! +++ Dieses Mal war es spießiger, irgendwie ehrenvoller, offizieller, letztes Jahr war es gemütlicher +++ Gut war die Organisation, alles war perfekt! Getränke waren immer da, sogar gekühlt, das Essen war sehr lecker, es gab tolle Möglichkeiten sich auszuruhen, zum Beispiel die Hollywoodschaukeln +++ Ich mochte die Schifffahrt ++ Der Austausch unter den Theaterleuten war gut +++ Das Hotel war nicht so gut +++

Die „Stimmen zum Stück“ finde ich nicht so gut, die direkt nach der Aufführung zu machen, weil man danach manchmal noch gar nicht weiß, was man sagen soll, manchmal muss man erst eine Nacht darüber schlafen +++ ANTI darf nie sterben! +++ Ich fand toll, wie schnell die FZ war, obwohl ihr alle nie ausgeschlafen wart! +++ Zu den Stimmen zum Stück: Diesmal musste man immer Leute suchen, die die Stimmen zum Stück gesammelt haben, früher in der Wabe waren da 5 Leute wenn man aus dem Stück raus kam, die einen gefragt haben, das war besser gemacht +++

Schade war an dem Festival, dass man nie Zeit für sich hatte, nicht mal eine halbe Stunde Pause +++ Ich liebe das Festival, ich liebe euch alle, ich will dass es weiter geht! +++ Ich will dass es noch eine Woche weitergeht +++ Toll war, dass jeder mit jedem reden konnte +++ Die Diskussionsrunden über die Stücke haben mir nicht so gut geholfen, die waren oft sehr negativ +++ Das essen war

Ich habe so interessante Leute kennengelernt +++ Es ging alles gut und das war das Wichtigste! +++ Ich hatte das Gefühl, dass sich die Kritiken an den Stücken im Laufe der Festivaltage gesteigert haben, weil die Leute sich besser kennengelernt haben und sich mehr getraut haben, was zu sagen. Der Szenisches – Schreiben – Workshop war toll. Es war sehr entspannt, das fand ich schon mal gut. Ich kann davon mitnehmen, dass ich keine szenischen Texte schreiben kann, sondern nur Prosa, ich finde toll, dass ich das ausprobiert habe. +++

Ich bin mit gar keinen Erwartungen hergekommen, aber ich dachte, das wird ein bisschen wie eine Klassenfahrt: alle im Hotel – und schön, ich bin positiv überrascht, weil das alles hier auf einer intellektuellen Ebene stattfindet. Man hat Workshops, in denen man seinen Spieltrieb erweitern konnte. Das Zwischenmenschliche war toll. So interessante Leute kennenzulernen, ganz viel Theater zu sehen in dieser wahnsinns Location. Nach sieben Tagen ist man einfach supertraurig! +++ Die Bandbreite, die uns geboten wurde, war riesig +++

Mein Workshop war so konstruktiv für mich. Ich habe viel zu Figuren gelernt, mit denen man Neues zeigen kann +++ Ich werde sehr viel vom Festival mitnehmen, jeden Abend eine Aufführung zu sehen, war so ein toller Preis, viel besser als einen Pokal oder so etwas +++ Man hat so viele neue Leute kennengelernt, wunderschön +++ Wir werden nach dem Festival in eine Depression fallen +++ Wir kommen wieder +++ Kesh war am besten +++ Der Hammer – wie letztes Jahr +++ Die Fassbrause habe ich wirklich über +++ totalmegasupergeil +++

Wenn ich jetzt versuchen würde, alls Gute aufzuzählen würde ich bestimmt etwas vergessen +++ ANTI darf nie fehlen +++ Ich finde das Leben hier total super: die Konzentration auf die eigene Arbeit: Theater. Die Abschottung von anderen Dingen, die im Leben passieren +++ Selbst ich als Berliner bin weniger hektisch: ich laufe über den Ku’Damm und bin entspannt, nehme alles anders wahr, aber ich merke: die restliche Welt ist immer noch gehetzt +++ man macht das, was einem Spaß macht. Ich bin überzeugt, dass alle, die hier sind, ihre Sache mit großer Leidenschaft machen +++

Schauspielern ist immer ein Rausch +++ Draußen ist so eine leistungsorientierte Gesellschaft. Hier passiert alles mit einer großen Ehrlichkeit.+++ Ich habe auch das Gefühl, hier in meiner Arbeit gewürdigt zu werden +++ die Reihenfolge der Stücke war super, das hat so richtig die Diskussionen angeregt, denn die Stücke, die man gut vergleichen konnte, kamen direkt nebeneinander +++ die Auswahl der Stücke war toll: so viel Verschiedenes! Es gab Ballett auf der Bühne (Testosteron), Kino (Liberation is a journey)… +++ das Festival ist so eine Meditationswoche. Eine Kurwoche ++

Testosteron: Stimmen zum Stück

Foto: Dave Grossmann

++♀ super ++♂ mega ++♂ das Thema hätte mehr hergegeben ++♀ die Körperspannung von Karl hat mir gefallen ++♂ beeindrucken, wie die die Rollen zu viert verteilt habe und doch alles rüber gekommen ist ++♀ die Momente in denen die richtig lebendig und frei waren fand ich gut, zwischendurch ist es manchmal ein bisschen abgefallen ++♂ die Thematik hab ich so im Theater noch nicht gesehen: Pubertät, erste Liebe ++♀ ich war am Anfang skeptisch, weil es mich thematisch nicht gereizt hat, aber durch das Stück haben Sie geschafft, dass es mich dann doch reizte ++♀ bei der sms ich hab mich ertappt gefühlt ++♀ insgesamt sehr positives Bild ++♀ langweilig und unglaubwürdig ++♀ die Geschichte war nicht intim, nicht emotional ++♂ insgesamt gut, aber einige Szenen waren mir zu lang ++♂ geil gemacht, aber zu viel Rumgewichse ++♀ intelligent umgesetzt ++♂ sehr sportlich ++♂ ein schönes Aufklärungsstück für jedes Alter ++♀ die Grundidee fand ich gut ++♂ drei Worte: Es war pornös ++♀ super, riesen Energie ++♀ einfach und effektiv: aus kleinen Gesten hat man ganz viel herausgeholt, was der Zuschauer sofort verstanden hat ++♀ sie haben die Medien sehr gut genutzt ++♀ ich wollte die ganze Zeit einfach nur mitmachen ++♂ man hätte es besser inszenieren können ++♀ ich möchte von allen vier ein Kind ++♂ die Story wurde durch die Bewegungen total unterstützt ++♂ die haben es immer am Laufen gehalten und es war niemals langweilig ++♀ Marina war wirklich am geilsten und am besten gespielt ++♂ sehr viel Musik, sehr viel Energie, sehr viel Schweiß, sehr viel geil ++♂ alles selbst gemacht auf der Bühne, kein Off, sie haben alles selbst erzeugt ++♂ grandiose Ideen +++

++♀ Sahnehäubchen des Festivals ++♂ als die Stimmen von allen Seiten kamen, das war der Moment, der mir in Erinnerung bleiben wird ++♀ was mir im Kopf geblieben ist: Nein. Nein. Nein, nein, nein! ++♂ die Rollenwechsel inkl. der Darstellung von Frauen waren genial ++♀ zwischendurch waren die Musikeinlagen einfach zu lang ++♀ war ganz oké, mir hat’s gefallen ++♂ das waren Sachen, die man als Junge selbst erlebt hat: das mit dem Runterholen ++♂ es hatte Längen und ich hab dann einfach abgeschaltet ++♂ das Ballett der Pubertät ++♂ das muss noch mehr Körperspannung rein ++♂ großartig, mir hat es ganz viel gegeben ++♀ hat mir super gefallen, war lustig ++♂ spannende Momente, aber insgesamt eher halbspannend bis nichtspannend ++♂ die Musik hat mich gestört ++♂ das war ein würdiges ttj-Ende +++

Testosteron: Schnupfen

Foto: Dave Grossmann

Alex liebt Marina. Denn Marina ist „wie der Frühling, wie Sonnenaufgang, wie Nutella.“

Die Geschichte, die das Junge Ensemble vom TheaterGrueneSosse in ihrem Stück „Testosteron“ erzählt, ist simpel gestrickt und altbekannt. Mit Marina gibt es den ersten Kuss, den ersten richtigen Kuss im Kino, mit Zunge, aber danach läuft es irgendwie nicht mehr so gut. Stress mit Mama, Stress mit Schule, Hausarrest und Handyverbot, und der beste Freund unterhält sich mit Marina, und schließlich endet alles auf dem Schulhof, mit Schubsen, und Marina sagt: „Du bist ja krass drauf.“ Es wird schnell klar: Der Plot des Stücks ist alles andere als spannend.

Aber darum geht es den vier Spielern ja auch gar nicht, sie wollen von Pubertät erzählen, von männlicher Pubertät, das heißt von feuchten Träumen, Wichsen, Sexy Sport Clips. Sie schließen sich im Zimmer ein, Mama denkt, der Sohn hat Schnupfen (wegen der Taschentücher), und SMS-Schreiben ist plötzlich gar nicht so einfach. Es sind die Jungs-Pubertäts-Klischees, die man kennt. Die man immer hört. In Jugendserien auf Ki.Ka, in Aufklärungsbüchern, in vergnüglichen Fernsehkomödien.

Dabei frage ich mich immer, ob denn Jungs-Pubertät immer so aussieht. Die Beziehung zum besten Freund wird erst auf die Probe gestellt, wenn es um dasselbe Mädchen geht, prügeln, raufen, cool sein, man denkt die ganze Zeit nur ans Bumsen, deswegen ist bei Mädchen das Rumkriegen das Wichtigste, aber weil das nicht immer gleich klappt, wird auf Mamas TV Spielfilm gewichst.

Ich frage mich, ob das allen heterosexuellen Jungs so geht. Ich frage mich, wie das Jungs geht, die nicht heterosexuell sind. Und dann frage ich mich, woran das überhaupt liegt, dass ein so festes Bild von Jungs-Pubertät besteht, dass man Bilder im Kopf hat von Jungs, die hektisch das Zimmer zuschließen, weil Mama genau jetzt die Schmutzwäsche einsammeln wollte. Wann geht es schon darum, dass vier Mädchen zusammen Pornos gucken? Um die erste blutige Unterwäsche?

Ein richtig einheitliches Bild von weiblicher Pubertät scheint es viel weniger zu geben. Treffen sich vier Mädchen, um zusammen Pornos zu gucken? Ist das normal oder selten? Man weiß es nicht, weder Jungs noch Mädchen, denn während der Diskurs über männliche Körperflüssigkeiten und Triebe gesellschaftlich völlig anerkannt ist, bleiben die weiblichen Äquivalente viel eher Tabuthemen. Tampons und Dildos sind noch lange nicht so sexy wie Sperma und Kondome. Onanieren Mädchen eigentlich jeden Morgen in der Dusche? Klischee ist es jedenfalls nicht.

Während also die erste Periode oder Selbstbefriedigung bei pubertierenden Mädchen außerhalb von „Mädchen, Mädchen“ und „Mädchen, Mädchen 2“ eher selten thematisiert werden, sind feuchte Jungsträume und Ständer im Schwimmbad Dauerbrenner der Pubertätsdebatte.

Und vielleicht wirken die Aussagen des Stücks eben deswegen so altbekannt. Auch wenn Jungs vielleicht wirklich nur von ihrer eigenen Pubertät erzählen können, hätte man sich doch gewünscht, dass sie tatsächlich etwas mehr von sich erzählen. Kleine Dinge, die dann doch vom Klischee wegführen, zu etwas anderem, das dann doch neu ist, das dann doch packt. Damit ich nicht genau dieselbe Geschichte über pubertierende Jungs auch hätte basteln können. Man wünscht sich, sie hätten tatsächlich erzählt, mit welchen „Schrammen“ sie „die Pubertät hinter sich gebracht“ haben und inwiefern sie dann doch „noch nicht ganz davon losgekommen sind.“ Wie im Programmheft versprochen.

Denn das ist doch eigentlich eine Kuriosität: Dass man ein Stück über Pubertät erst so richtig machen kann, wenn man gar nicht mehr in der Pubertät ist. Und das Frankfurter Ensemble war dem offiziellen Pubertätsalter tatsächlich entwachsen. Nur – muss man dann nicht auch die veränderte Perspektive ausstellen und produktiv nutzen? Von all den Marina-Timo-TV-Spielfilm-Verwirrungen – was bleibt am Ende? Das hätte mich interessiert. Wohingegen „Testosteron“ doch eher wie ein freundliches Aufklärungsstück daher kommt.

Dennoch findet die Produktion vom TheaterGrueneSosse oft die richtigen Worte. Zum Beispiel, wenn es um die ersten Risse in der Lieblingsfreundschaft geht. Mama und Psychiater diagnostizieren ADS („eine gezielte Medikamentation wäre wohl die eleganteste Lösung“), und dann sagt auch noch Timo zu Alex: „Du bist ja echt krank.“

Insgesamt sind es trotz guter Sprechleistung und gelungenem Mehr-Rollenspiel aber eben gerade nicht die Szenen mit Sprache, die überzeugen. Es sind die Tanzszenen. Mit beeindruckender Energie und Ausdauer präsentieren die vier „Testosteron“-Darsteller gut durchdachte Choreographien, zwischen schlaksigen Pubertätstanzbewegungen und Coolness-Posen. Viel Körperlichkeit, viel Kämpfen, viel Kräftemessen. Es sieht gut aus, gekonnt und ausdrucksstark, und erzählt dem Zuschauer damit viel mehr über Pubertät als jede gesprochene Klassenfahrtsszene des Stücks. Die Spieler überraschen, weil man mit Tanztheater nicht gerechnet hatte, aber letztlich genau das ihre Stärke ist.

Auch die Szenen mit Musik (Gitarre, Bass, Body-Percussion, Gesang, live aufgenommen und verdichtet) bringen dem Zuschauer den Alex-Protagonisten und seine Pubertätsprobleme viel näher als alle Textpassagen. Da verzeiht man auch das ungeschickte Immer-wieder-dem-Mischpult-Annähern.

Das Musikkonzept und Choreographien machen „Testosteron“ zu einem gelungenen, ästhetischen Abschluss für das diesjährige ttj. Wie in „Don’t cry for me, baby“ und „Blaubart – Hoffnung der Frauen“ ging es um erste Liebe, um Jungs und Mädchen; wie in „Clash“, „Ferienlager – Die 3. Generation“ und „Liberation is a Journey“ ging es um die Frage, wer man eigentlich ist, wie Männlichsein geht und wie Dazugehören; wie in „Ausarten. Um uns und die Kunst“ und in „Mutter Kuhranch“ ging es ums Spielen selbst, ums Ausprobieren.

Tanztheater sollen sie machen! Oder Bewegungstheater. Oder wie auch immer man das am Ende auch nennt. Jedenfalls sollen sie sich so bewegen wie heute und noch mehr und noch anders. Vielleicht können sie sich dann auch anderen Themen nähern. Erzählen, was sie jetzt bewegt. Was ihnen jetzt das Leben schwer macht und was ihr Herz jetzt schneller schlagen lässt (bummbumm bummbumm am Mikro). Ich würde kommen. Sogar nach Frankfurt.

Testosteron: Durchblick aufs Theater

Foto: Dave Grossmann

Strange what love does, oder? Geträumte Solo-Sexfantasien zu viert muss man erstmal zeigen, ohne dass es albern ist. Die Choreografie mit den Liebesaktpositionen bei „Testosteron“ war aber so unprätentiös und würdig gespielt, dass selbst in unserem notorisch heiteren ttj-Publikum (fast) nicht gekichert wurde. Zwei Freunde also, die dieselbe Traumfrau wollen. Der eine ist sich seiner Bedürfnisse und Vorlieben durchaus bewusst und kann auswählen, der andere ist der sympathische Underdog an der Morgenröte zur Mannheit.

Aber zugegeben, die Story ist schnell erzählt. Erst das Testosteron, dann die Endorphine. Herz gebrochen, Stück vorbei. Das ist schon eher nichtig, jedenfalls allgemein und allgemein bekannt. Der Plot war wirklich so unspezifisch, dass er durchsichtig wurde. Und das legte den Blick frei auf das bloße Theater hinter der Pubertätsstory: ein sehr gut anzusehender theatraler Werkzeugkasten.

Abgesehen von dem puristischen Roll-Paravent war alles transparent. Die Bühne war von Anfang an voll bestückt mit allem, was man brauchen würde. Sogar beim Musikmachen konnte man zusehen. Im Ergebnis ein wenig holprig, aber toll mitzuerleben fand ich das Herstellen eines Tracks aus seinen musikalischen Bestandteilen. Das war auch eine Metapher auf den Theaterprobenprozess, wo eben Schicht auf Schicht Ideen kombiniert werden, bis man eine Szene hat.

Nach überbordenden und mitarbeiterstarken Produktionen wie Don’t Cry for Me, Baby oder Liberation Is A Journey bot die Bescheidenheit der Frankfurter Inszenierung ein überzeugendes Kontrastprogramm. Hier war alles einfach, klar und Marke Eigenbau. Ein kleines, feines Stück.

Testosteron: Chrissy

Also, bei mir war das so: Den ersten Sex, den hatte ich mit, nun, nee, das ist zu persönlich. Aber ich hatte auf jeden Fall mal meinen ersten Sex, auf einem Stuhl, war lustig – aber auch genauso schnell vorbei wie der scharfe Nachgeschmack von Wasabi. An Spermaflecken auf dem Laken kann ich mich nicht erinnern, ich habe aber auch immer gesabbert, kann sein, dass mir das entgangen ist. Meine erste Freundin hieß Marie und war süß. Ich mochte ihre Wangen, weil sie mich an Kaulquappen erinnerten. Das habe ich ihr dann auch erzählt – und sie hat mich verlassen. Seitdem habe ich nie wieder Tiervergleiche gesucht, die sind nämlich total destruktiv. Meine zweite Freundin hieß Julia, das war eine richtig reife Beziehung. Wir haben uns zum Kino verabredet und haben hinterher Nutella-Brote gegessen. Ich mochte es getoastet, sie aß immer trockenes Schwarzbrot. Naja, ist ja auch egal, wir haben uns immer total gerne angefasst. Andere Paare haben sich zum Spazierengehen oder ähnlich unproduktivem Quatsch verabredet. Wir trafen uns immer zum Anfassen. „Morgen wieder anfassen?”, hieß es dann. Ein Nicken, ein Grinsen, morgen wieder, dankeschön, bittesehr. Irgendwann habe ich herausgefunden, dass mein bester Freund – Alex, wie ein Mädchen, das sind immer die geilsten – sie auch angefasst hat. Dann war es auch aus, nachdem wir ein echt total mega intimes Gespräch geführt haben. „Nochmal Anfassen zum Schluss?” „Nein!“ Mit Alex war es dann auch aus. Das Schwein. Ein letzter Versuch, seine Mutter rumzukriegen, scheiterte kläglich. Die hat sich aber auch angestellt. Das mit dem Ficken, also das begann dann mit Chrissy. Chrissy, die Süße. Chrissy, die rülpsen konnte wie Alex (das Schwein!). Chrissy, die rumblödeln konnte wie Timo. Chrissy, meine beste Freundin. Der erste Sex – auf meinem Drehstuhl. Wie schon gesagt: Nach einer halben Umdrehung war es schon wieder vorbei, aber – meine Herren – das waren die Sekunden, die die Welt bedeuteten.

Ich erzähle Dir das gerade, weil Du mir eben zufällig zuhörst.